Das Top-Thema auf den Kulturseiten der heutigen LVZ sind die Arbeiten aus der Fotoagentur Magnum, die zum 10. Geburtstag der Galerie C/O in Berlin ausgestellt sind. Auch wenn Gerald Felber beinahe nostalgisch werden mag über die zur Schau gestellten historischen Magazinbilder, es sind auch moderne Arbeiten, die (ihn) faszinieren. Inmitten der "heutigen müllhaldenartigen Flut" von Bildern könnten einzelne sehr wohl etwas bedeuten, auch wenn sich das typische Magnumbild in der Zeit "moderner Persönlichkeits- und Jugendschutzrechte" gewandelt hat. Es sei artifizieller geworden, zeigt mehr Atmosphäre als Action. Die Magnum-Philosophie bestünde aber weiterhin darin, Fotografien von Orten und Menschen zu zeigen, die in anderen Medien einem blinden Fleck zum Opfer fallen.
In dem Gespräch mit Krystallpalast-Varieté-Chef Rüdiger Pusch, das Bernd Locker geführt hat, wird deutlich, wie sehr der ökonomische Druck die Programme bestimmt. Weniger, dass der ehemalige Spielort in der Kongresshalle vor allem "Werbung fürs Varieté", dargestellt habe und die Stadt - sprachregelungsmäßig korrekt - "vereinbarungsgemäß" investierte Gelder rücküberwiesen hat; es sind betriebswirtschaftliche Mechanismen, die das künftige Programm dominieren: der Ausbau der Flexibilität (Erweiterung der Spielstätten, risikofreudigere Spielweisen), der Eventcharakter der Aufführungen (Schifffahrt plus Picknick, Kino im Varieté, die Kombi mit 3-Gänge-Menüs) und marketingrelevante Massnahmen (Logoerneuerung, Evaluierung des Preis-Leistungs-Verhältnisses, Kreierung einer Dachmarke "Vielfalt erleben", Tourneen, Spielstättenvermietung). Faszination und Zauber wird zur kühl berechneten Show. Wir wollen es so.
Peter Claus wiederum berichtet für die LVZ vom "einmaligen Zauber" des Internationalen Filmfestivals in Locarno, das allabendlich auf der Piazza Grande 8000 Menschen anzieht. Typisch für das bisherige Filmprogramm seien "atmosphärisch dichte Bilder voller Brutalität und Sex". Doch wenn die Erwartungen, etwa an Pornodarsteller Francois Sagat im Film "LA. Zombie", der bereits vorab als "Skandal" gehandelt wurde, nicht so recht erfüllt wurden, reagiert das Publikum auch schon mal offen gelangweilt. Ach ja, die Regisseure der Produktionen waren bis dato: Benoit Jacquot ("Au Fond des Bois"), Oleg Novkovic ("Beli beli svet"), Jeanne Balibar ("Im Alter von Ellen"), Bruce LaBruce ("LA. Zombie") und Valdis Oskarsdottir ("Kings Road"). Preisverleihung ist am 14. August.
Und Lars Schmidt war auf der Leipziger Parkbühne bei "Die Pogues" mit dem sturzbetrunkenen Shane MacGowan. Regelrecht hämisch beschreibt er den alkoholgeschwängerten Gig des Maestro, vom Verlust der "Muttersprache" über das "Gelalle" bis zu MacGowans Akrobatiknummer: Werfe das Mikro am Kabel ein Stück in die Höhe und verfehle es beim Fangen um einen halben Meter. Sein Fazit dennoch: Was sind die Pogues ohne Shane MacGowan? "Erstens: eine richtig gute Band. Zweitens: Nichts". Die Stimmung im Publikum sei "oktoberfestmäßig" gewesen, die "Masse hat Spaß". "Götter dürfen eben auch besoffen sein."
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Samstag, 7. August 2010
Donnerstag, 5. August 2010
lvz kultur vom 05.08.10: Süchtig nach dem Netz, Michael Ballhaus, Die Pogues und Kino in Jenin
Über sein halbes Jahr "Ohne Netz" schreibt der Journalist der Süddeutschen, Alex Rühle. Janina Fleischer hat es gelesen. Bevor er in dieser Zeit den "Wettbewerbsvorteil, langsam zu sein", entdeckte, hatte Rühle sein bisheriges Verhalten analysiert und reflektiert. Ergebnis: 1. Der Internetjäger und -sammler ist der Gefahr der "Aufmerksamkeitszerstäubung" ausgesetzt. 2. Die Phänomene eines Süchtigen stellen sich ein. 3. Ohne Mails fehlt die schnell wirksame Ego-Pille. Ausweg: Still sein, Echo werden.
Eine Hommage an den großen Kameramann Michael Ballhaus, der mit vielen großen Regisseuren in den USA und Deutschland zusammengearbeitet hat, schreibt Barbara Munker. Der u.a. für seine kreisenden Kamerafahrten berühmt gewordene Ballhaus, mit dem u.a. Scorsese alle seine Filme drehte, ist wieder nach Deutschland zurückgekehrt und lehrt an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin sowie in Hamburg und München. Seine Kunst - unterdessen die des Regisseurs - stellt er dabei aus Überzeugung auch in den Dienst am Umweltschutz.
Eines der nur vier Konzerte, die die Folk-Punk-Gruppe Die Pogues auf ihrer Tournee in Deutschland spielen, findet heute in Leipzig auf der Parkbühne statt. Markus Wittpenn sprach mit Peter "Spider" Stacy, einem der Gründungsmitglieder der seit den späten Achzigern für ihre Mischung aus Melancholie und Lebenslust gefeierten Band. Nach Jahren der getrennten Weiterentwicklung wollen die Bandmitglieder nun wieder live gemeinsam auftreten, allerdings keine neuen Songs einspielen. Das wäre "Betrug, weil wir uns alle verändert haben".
Über ein außergewöhnliches Kinoprojekt kann Claas Relotius berichten: Die multinationale Initiative "Cinema Jenin" arbeitet am Wiederaufbau eines Kinos in Jenin im Westjordanland. Es wurde stillgelegt mit Beginn der Intifada 1987, als "Filme anzusehen und sich zu amüsieren, nicht mehr in diese Zeit passte". Nach dem großen Erfolg des Dokumentarfilms von Marcus Vetter "Das Herz von Jenin" im Jahr 2008 lebte das Projekt Kino von neuem auf und wurde mittels Spendengeldern aus aller Welt nun in die Tat umgesetzt. Die anfängliche Skepsis der Einheimischen hat sich stark verändert, nicht zuletzt, weil auch die Palästinenser selbst stark eingebunden werden. "Filmvorführer kann diese Stadt besser gebrauchen als Guerilla-Kämpfer", meint dazu der Projektleiter Fakhri Hamad.
Eine Hommage an den großen Kameramann Michael Ballhaus, der mit vielen großen Regisseuren in den USA und Deutschland zusammengearbeitet hat, schreibt Barbara Munker. Der u.a. für seine kreisenden Kamerafahrten berühmt gewordene Ballhaus, mit dem u.a. Scorsese alle seine Filme drehte, ist wieder nach Deutschland zurückgekehrt und lehrt an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin sowie in Hamburg und München. Seine Kunst - unterdessen die des Regisseurs - stellt er dabei aus Überzeugung auch in den Dienst am Umweltschutz.
Eines der nur vier Konzerte, die die Folk-Punk-Gruppe Die Pogues auf ihrer Tournee in Deutschland spielen, findet heute in Leipzig auf der Parkbühne statt. Markus Wittpenn sprach mit Peter "Spider" Stacy, einem der Gründungsmitglieder der seit den späten Achzigern für ihre Mischung aus Melancholie und Lebenslust gefeierten Band. Nach Jahren der getrennten Weiterentwicklung wollen die Bandmitglieder nun wieder live gemeinsam auftreten, allerdings keine neuen Songs einspielen. Das wäre "Betrug, weil wir uns alle verändert haben".
Über ein außergewöhnliches Kinoprojekt kann Claas Relotius berichten: Die multinationale Initiative "Cinema Jenin" arbeitet am Wiederaufbau eines Kinos in Jenin im Westjordanland. Es wurde stillgelegt mit Beginn der Intifada 1987, als "Filme anzusehen und sich zu amüsieren, nicht mehr in diese Zeit passte". Nach dem großen Erfolg des Dokumentarfilms von Marcus Vetter "Das Herz von Jenin" im Jahr 2008 lebte das Projekt Kino von neuem auf und wurde mittels Spendengeldern aus aller Welt nun in die Tat umgesetzt. Die anfängliche Skepsis der Einheimischen hat sich stark verändert, nicht zuletzt, weil auch die Palästinenser selbst stark eingebunden werden. "Filmvorführer kann diese Stadt besser gebrauchen als Guerilla-Kämpfer", meint dazu der Projektleiter Fakhri Hamad.
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