Einigermaßen unaufgeregt klingt der Konflikt um das erste Kopftuchverbot an Sachsens Schulen. Für die Betroffenen, zwei afghanische Mädchen, deren Eltern im Oktober nach Deutschland kamen, ist dies mit der Suche nach einer anderen Dresdner Schule verbunden, in der ihre Kinder mit Kopftuch am Unterricht teilnehmen können. Interessant ist, dass ausgerechnet an einer Schule mit hohem Migrationsanteil ein Kopfbedeckungsverbot existiert, das angeblich keine religiösen Gründe haben solle, berichtet Sven Heitkamp. Es gehe eher um Basecaps, die im Unterricht der Mittelschule untersagt bleiben sollen. Die Schulkonferenz, die im Dezember tage, wolle sich mit dem Verbot befassen und gegebenenfalls eine Ausnahme für das Tragen von Kopftüchern aus religiösen Gründe beschließen. Wenns das ist, kann man der Dresdner Schule für unaufgeregtes Handeln gratulieren. Die Dresdner Migrationsberatung sprach allerdings von "mangelnder interkultureller Kompetenz", sie hätten von der Schule "mehr Feingefühl" erwartet.
Ulrich Wickert im Gespräch mit Jürgen Kleindienst. Wickert würde gerne den Papst interviewen. Von Politikern kenne man bereits die Antworten. Mit dem Papst würde er über katholische Grundsätze wirtschaftlicher Ethik sprechen und diese Haltung mit den Praktiken der Vatikanbank vergleichen. Wie seine Neugier, einmal wie Steffen Seibert als Pressesprecher im Zentrum der Macht zu sitzen, sich mit dieser Haltung vereinbaren läßt, weiß nur Wickert selbst. Ansonsten kann Wickert tagelang Bilder von Neo Rauch anschauen. "Diese Malerei ist wie Literatur. Sie erzählt." Unter den Schriftstellern lobt Wickert insbesondere Clemens Meyer, aus dem "mal ein Großer" würde. Zum fernsehen selbst käme er kaum noch.
Die Insolvenz des Theaters Gera-Altenburg ist abgewendet. Thüringens Kultusminister Christoph Matschie sprach von 1,088 Mio. €, die das Land in einer einmaligen Zahlung beisteuere. Die anderen drei Gesellschafter der GmbH müssten allerdings die restlichen 800.000 € zuschießen, die für ein Weiterleben erforderlich seien.
Bei der Verleihung der International Emmy Awards für Fernsehproduktionen einem Ableger des wichtigsten US-Fernsehpreises für ausländische Produktionen, hat die britische BBC abgesahnt. Allein fünf der zehn Preise gingen "auf die Insel". Helena Bonham Carter und Jury Bob Hoskins sind die Namen der Schauspieler, die die Hauptpreise erhielten. Iris Berben und Sebastian Koch gingen leer aus. Von deutscher Seite bekam allein die britisch-deutsche Kinderserie "Shaun, das Schaf" einen Preis. Ausgezeichnet wurde insbesondere der Witz der Sendung um das freche Schaf.
Im Museum Gunzenhauser in Chemnitz präsentieren die Kunstsammlungen Chemnitz etwa 90 Exponate des in Deutschland weitgehend unbekannten Malers Helmut Kolle. Gefördert vom Kunsthistoriker Wilhelm Uhde feierte Kolle im Paris der Zwanziger Jahre große Erfolge. In seiner Kombination von Malerei und Zeichnung "hatte er die Umrisse mit dem Pinselholz in die nasse Farbe geritzt, eine von den französischen Avantgardisten neu belebte Technik". Doch der Grund für seinen in Frankreich "kometenhaften Aufstieg", so Christine Hochstein, sei "sicher die Steigerung des sinnlichen Gefühls für Farbe als Materie, der dem französischen Kunstgeschmack entsprach". Auf einer 1932 eröffneten Gedächtnisausstellung für den früh verstorbenen Maler lobte Pablo Picasso "die unerhörte Vitalität und Schönheit" von Kolles Bildern.
In seinem Bericht über die Kriegs-Tagebücher von Ernst Jünger 1914-1918 geht Ulrich Heise den Veränderungen nach, die die ursprünglich "schmucklose Nüchternheit" der Kriegsberichte des Schriftstellers in den1920 erschienenen "Stahlgewittern" erfahren haben, in denen sich der mit dem Orden "Pour le Mérite" ausgezeichnete Jünger zum "Metaphysiker des Krieges" verwandelt habe. Beeindruckend in den Tagebüchern sei die noch vollkommen ungeschönte Schilderung des "Animalischen" des Krieges und seines "verrohenden Einflusses". "Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?" fragt Jünger, "was hätte man in dieser Zeit nicht alles sehen und genießen können?", während er in den "Stahlgewittern" mit "fast rauschhaftem Heroismus" auf die Jahre im Hexenkessel zurückblickte. Der Nietzscheadept betrachtete damals Kriege als "Elementargewalt", die einen festen Platz im Weltgeschehen haben müssten.
Literaturwissenchaftler Tobias Kurwinkel sieht in einer Analyse der Harry-Potter-Verfilmungen zwischen dem zweiten und dem dritten Film die Ablösung vom Genre des Kinderfilms. "Harry Potter und der Gefangene von Askaban", in der die Allgegenwart des Bösen inszeniert würde, sei der Übergang zu einer auch Erwachsene anziehenden Kinoverfilmung gewesen. Diese düstere Seite steigere sich bis hin zur derzeit letzten verfilmten Episode durch die zunehmende Ähnlichkeit der Schreckensherrschaft des Grafen Voldemort mit der nationalsozialistischen Rassenideologie und Gewaltherrschaft. Die Handlung spiele längst nicht mehr in einer "abgeschotteten Zauberwelt", sondern im modernen England, "dessen Bedrohung realer und unmittelbarer wirkt und gesteigert werde durch Thriller- und Horrorelemente." Zugleich erhalte Harry Potter zuehmend messianische Züge eines Auserwählten.
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Mittwoch, 24. November 2010
Dienstag, 16. November 2010
lvz kultur vom 16.11.10: NPD & Marketing, Harry Potter, Oper Leipzig & Der Sturm in Halle
Auch die NPD betreibt Marketing und will potentielle Kunden mit gezieltem Facelifting ihrer Vereinstätigkeit, dem sozialarbeiterisch angehauchten Aggressionstraining, ein bisschen mehr Schein als Sein unterjubeln. Doch wie viele andere Marketingexperten überschätzen sie die kontrollierte Seite des Gehirns gewaltig. Allein der Eventaspekt zählt bei ihren Fans tatsächlich. Wie auch bei Theatergängern, Antifaaktivisten, Komasäufern. Dass die NPD nach eigenen Angaben Schulungszentren in Delitzsch und Eilenburg unterhalte, während sie doch höchstens mal mit Glück einen mehr als einmaligen Mietvertrag für einen leerstehenden Gaststättensaal acquiriert haben, so Jürgen Kochinke, der polizeiliche Erkenntnisse weitergibt, spricht Bände. Sie haben es nötig. Kein Gerede, nirgends. Kein Zoff um die Odermannstraße. Kein Zoff auf Leipzigs Straßen. Nicht mal genügend Interessenten, um einen alternativen Volkshochschulkurs in Rotzlöffeltum abzuhalten. Nur Angst einjagen, wenn man der Stärkere ist, das können sie. Ansonsten sind die Gulaschsuppentragenden Würstchen, die da ein und aus in der Odermannstraße gehen, genauso erbärmlich wie Hinz und Kunz. Ja, bemitleidenswert. Und dass das eine frevelhafte Vermutung sei, müssen sie am Wochenende, wenn sie wieder gemeinsam ganz stark sind, gegen Fußballfans fremder Mannschaften oder Polizeikräfte - wie widersinnig - unter Beweis stellen. Zuckerbrot und Peitsche, das Rezept der Antifa wie auch der Polizei, ist wirkungsvoll. Aber klug?
David Yates, sympathischer Regisseur der letzten Harry-Potter-Schinken im Kino, ist ein ganz braver. In seinem Gespräch mit Peter Beddies redet er über die Hintergründe der Drehs für den siebten und achten, den letzten Teil. Wenn das Studio sagt, versuch doch mal den magic potter in 3D, versucht ers. Sex am Set kann er sich - "Um Gottes Willen" - nicht vorstellen. Jedenfalls nicht bei clean harry. Dennoch muss er seine Verfilmung vor dem bigotten american way of life rechtfertigen. Dabei ging es Yates in der entsprechenden Szene, vor der auf Plakaten nunn gewarnt wird, um einen Alptraum! Denn anders kann er sich nackte Haut "in inniger Umklammerung" scheinbar nicht vorstellen. Für einen anderen Alptraum hat er allerdings sehr genau versucht, Bilder zu finden. Keine neuen Fans. Bilder. "Es sollte bei dem Film darum gehen, wie man sich in einer Diktatur fühlt. Und da kann man gar nicht grau und düster genug erzählen." Marketingspezialisten gibt es glücklicherweise nebenan.
Brav wie Harry Potter, nur nicht ganz so magic, sind die Mitglieder der Oper Leipzig und des Gewandhauses, die am morgigen Mittwoch um Unterstützung "für den Erhalt von Kunst und Kultur" musizieren. Mit kostenlosen Zählkarten für Mozarts c-Moll-Messe. Vor genau hundert Jahren war Lenin bereits sonnenklar, dass deutsche Revolutionäre niemals einen Bahnhof besetzen würden, ohne vorher eine Bahnsteigkarte gelöst zu haben. Den Leipziger Opernliebhabern traut man nicht einmal eine Opernbesetzung zu trotz gelöster Zählkarte.
In der Glosse ausgepresst kommt langsam ein lesenswerter Zynismus zum Zuge. Vor einigen Tagen war es wundersamerweise Nina May, die in einem Text voll coolem Understatement die Vorausschau wagte, dass das Hallenser Thalia Theater allen Unkenrufen zum Trotz nicht geschlossen werden würde, vielmehr würden in seinen Räumen künftig Videoaufzeichnungen alter Inszenierungen zum besten gegeben, oder so ähnlich.
Heute tritt Peter Korfmacher in die Fußstapfen seiner Kollegin und seziert mit gnadenloser Schärfe die Mechanismen der politischen Unterhaltungskultur. Ohne jegliche Anbiederung beschreibt kfm den Teufelskreis der vom Fernsehen gekauften Wissenschaftler/Historiker, die tätige Beihilfe zu geschichtsklitternden Film-Machwerken leisten, indem sie z.B. Alice im Wunderland zur Dokufiction aus dem späten 19. jahrhundert umfriesierten. Anschließend gaukeln in Anne Wills Teegesellschaft die vor sich hin plappernden Hutmacher und Märzhasen dem harmlosen Zuschauer namens Alice die wahre gesellschaftspolitische Brisanz ihres Wunderlandes vor. Zumindest solange, bis am Horizont die gewalttätige Herzogin ihr "Kopf ab" über den Spielplatz hallen lässt und auch die Grinsekatze ihr Grinsen verliert.
Nina May wiederum schreibt über die letzte Inszenierung des scheidenden Hallenser Schauspielchefs Christoph Werner. Shakespeares "Der Sturm", in einer "texttreuen und größtenteils recht konventionellen Inszenierung" des neuen alten Chefs der Puppenspielabteilung. Dabei ist allein schon das Schlussbild, so wie es Nina May beschreibt, faszinierend und erhellend gleichermaßen, wie ein Polarlicht: "Dabei verkauft Prospero hier eiskalt die eigene Tochter, um seine verlorene Macht als verbannter Herzog von Mailand wiederherzustellen. (...) Als der vermeintliche Gutmensch Prospero, der von den Schiffbrüchigen zurück zu Amt und Würden geführt wird, seinen Sklaven Caliban, den triebgesteuerten Wilden, einfach auf der Insel zurücklässt, steht dieser massige Mensch allein auf der Bühne und greint: Proooospero!"
Ein Schelm, der nicht gleichzeitig an den überkandidelten Herrscher der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Rolf Stiska, denkt, wie er eiskalt seine eigene Tochter, das Thalia Theater, verhökert, um seine Macht aufrechtzuerhalten, selbst um des Verrats willen. Und seine triebgesteuerten wilden Kinder greinen und werden böse. Der Schlusssatz des Stücks: "Welch schöne neue Welt!" Danke, Christoph Werner!
David Yates, sympathischer Regisseur der letzten Harry-Potter-Schinken im Kino, ist ein ganz braver. In seinem Gespräch mit Peter Beddies redet er über die Hintergründe der Drehs für den siebten und achten, den letzten Teil. Wenn das Studio sagt, versuch doch mal den magic potter in 3D, versucht ers. Sex am Set kann er sich - "Um Gottes Willen" - nicht vorstellen. Jedenfalls nicht bei clean harry. Dennoch muss er seine Verfilmung vor dem bigotten american way of life rechtfertigen. Dabei ging es Yates in der entsprechenden Szene, vor der auf Plakaten nunn gewarnt wird, um einen Alptraum! Denn anders kann er sich nackte Haut "in inniger Umklammerung" scheinbar nicht vorstellen. Für einen anderen Alptraum hat er allerdings sehr genau versucht, Bilder zu finden. Keine neuen Fans. Bilder. "Es sollte bei dem Film darum gehen, wie man sich in einer Diktatur fühlt. Und da kann man gar nicht grau und düster genug erzählen." Marketingspezialisten gibt es glücklicherweise nebenan.
Brav wie Harry Potter, nur nicht ganz so magic, sind die Mitglieder der Oper Leipzig und des Gewandhauses, die am morgigen Mittwoch um Unterstützung "für den Erhalt von Kunst und Kultur" musizieren. Mit kostenlosen Zählkarten für Mozarts c-Moll-Messe. Vor genau hundert Jahren war Lenin bereits sonnenklar, dass deutsche Revolutionäre niemals einen Bahnhof besetzen würden, ohne vorher eine Bahnsteigkarte gelöst zu haben. Den Leipziger Opernliebhabern traut man nicht einmal eine Opernbesetzung zu trotz gelöster Zählkarte.
In der Glosse ausgepresst kommt langsam ein lesenswerter Zynismus zum Zuge. Vor einigen Tagen war es wundersamerweise Nina May, die in einem Text voll coolem Understatement die Vorausschau wagte, dass das Hallenser Thalia Theater allen Unkenrufen zum Trotz nicht geschlossen werden würde, vielmehr würden in seinen Räumen künftig Videoaufzeichnungen alter Inszenierungen zum besten gegeben, oder so ähnlich.
Heute tritt Peter Korfmacher in die Fußstapfen seiner Kollegin und seziert mit gnadenloser Schärfe die Mechanismen der politischen Unterhaltungskultur. Ohne jegliche Anbiederung beschreibt kfm den Teufelskreis der vom Fernsehen gekauften Wissenschaftler/Historiker, die tätige Beihilfe zu geschichtsklitternden Film-Machwerken leisten, indem sie z.B. Alice im Wunderland zur Dokufiction aus dem späten 19. jahrhundert umfriesierten. Anschließend gaukeln in Anne Wills Teegesellschaft die vor sich hin plappernden Hutmacher und Märzhasen dem harmlosen Zuschauer namens Alice die wahre gesellschaftspolitische Brisanz ihres Wunderlandes vor. Zumindest solange, bis am Horizont die gewalttätige Herzogin ihr "Kopf ab" über den Spielplatz hallen lässt und auch die Grinsekatze ihr Grinsen verliert.
Nina May wiederum schreibt über die letzte Inszenierung des scheidenden Hallenser Schauspielchefs Christoph Werner. Shakespeares "Der Sturm", in einer "texttreuen und größtenteils recht konventionellen Inszenierung" des neuen alten Chefs der Puppenspielabteilung. Dabei ist allein schon das Schlussbild, so wie es Nina May beschreibt, faszinierend und erhellend gleichermaßen, wie ein Polarlicht: "Dabei verkauft Prospero hier eiskalt die eigene Tochter, um seine verlorene Macht als verbannter Herzog von Mailand wiederherzustellen. (...) Als der vermeintliche Gutmensch Prospero, der von den Schiffbrüchigen zurück zu Amt und Würden geführt wird, seinen Sklaven Caliban, den triebgesteuerten Wilden, einfach auf der Insel zurücklässt, steht dieser massige Mensch allein auf der Bühne und greint: Proooospero!"
Ein Schelm, der nicht gleichzeitig an den überkandidelten Herrscher der Theater, Oper und Orchester GmbH Halle, Rolf Stiska, denkt, wie er eiskalt seine eigene Tochter, das Thalia Theater, verhökert, um seine Macht aufrechtzuerhalten, selbst um des Verrats willen. Und seine triebgesteuerten wilden Kinder greinen und werden böse. Der Schlusssatz des Stücks: "Welch schöne neue Welt!" Danke, Christoph Werner!
Freitag, 12. November 2010
lvz kultur vom 12.11.10: Handke, Harry Potter, Anne Frank & Clemens Meyer
Die Widersprüchlichkeit und innere Zerrissenheit des Erzählers Peter Handke ist eines der markanten Themen in Malte Herwigs Biografie "Meister der Dämmerung. Peter Handke. Eine Biografie", schreibt Ulf Heise. Jähzorn und Gewalttätigkeiten seien Handkes unkontrollierte Ventile, um seinen Panikattacken, Todesängsten und Selbstmordgedanken zu entgehen. Der Suizid seiner Mutter 1971 und die enge Bindung an seine Tochter seien die ihn emotional am stärksten berührenden Momente seines Lebens. Die Darstellung der Rettung des "sensiblen Individualisten" aus seinen eigenen psychischen Nöten durch die "Seelsorge" seines Schriftstellerkollegen Hermann Lenz gehört zu den bewegenden Momenten der Biografie. "Lenz habe Handke das Leben gerettet", davon sind Freunde des Dichters überzeugt.
Stilistisch und inhaltlich in großen Teilen überzeugend, habe die Biografie ihr Manko in der "dürftig" erscheinenden Erklärung von Handkes "Öffentlichkeitswirkung" im Begriff des "Messianischen". "Aufgewogen" würde dies vor allem durch die "Klugheit" von Herwigs Kommentaren zu Handkes (Pro-)Serbien-Essay, der seinerzeit große Entrüstung und Zorn - nicht nur bei Feuilletonisten - hervorgerufen hatte.
Sid Jacobson und Ernie Colón haben bereits viele brisante zeitgeschichtliche Themen in Graphic Novels, den Schwestern der "gewöhnlichen Comic-Hefte", bearbeitet. 9/11 und der "Krieg gegen den Terror" gehören dazu. Nun ist das jüngste Werk der beiden amerikanischen Comic-Veteranen im Carlsen-Verlag auf Deutsch erschienen: Die Biografie der Anne Frank als gezeichneter Roman. So historisch genau die einzelnen Bilder seien, wäre es ihnen vor allem darum gegangen, "Annes Persönlichkeit" darzustellen in klaren, eingängigen Bildern und verständlichen Texten, schreibt Thomas Burmeister. "Beängstigend" sei für Jacobson gewesen, dass das jüdische Mädchen, das 15-jährig in Bergen-Belsen starb, vom gleichen Jahrgang gewesen sei wie er selbst.
Die Leipziger Departures Film GmbH wird eine der Kurzgeschichten aus Clemens Meyers Band "Die Nacht, die Lichter" verfilmen. Darin erzählt Meyer die Geschichte des Mittfünfzigers Rolf, der sein gesamtes Vermögen auf der Pferderennbahn einsetzt, um weiteres Geld für die teure Operation seines geliebten Hundes aufzutreiben. In den Hauptrollen in dem ca. 20-25-minütigen Streifen spielen der künftige Intendant des Neuen Theaters Halle, Matthias Brenner, und Bernd Stempel.
In London hat gestern die erste Episode des Film "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" Welt-Premiere gehabt. Nur Peter Beddies durfte aus unerfindlichen Gründen - "vielleicht war in diesem speziellen Fall auch Magie im Spiel" - bereits einige Tage früher im Saal 1 des Leipziger Cinestar als Zuschauer eine Preview erleben. Doch Ralph Fiennes als Lord Voldemort ganz allein in einem "beunruhigend großen" Saal erleben zu dürfen, sei ein "zweifelhafter Genuss"gewesen. Wo selbst ein ganzer Kinosaal "das große Frösteln" bekäme, sei es allein tatsächlich "besonders schlimm". In deutschen Kinos ist der jüngste Potter ab 17. November in den Kinos.
Das Amerikagastspiel der Leipziger Kammerphilharmonie mit all seinen banalen Pannen (von vergeigten Dirigaten bis zu unzuverlässigen Veranstaltern) und triumphalen Höhepunkten beschreibt Mark Daniel in Aquarelltönen von leuchtender Farbigkeit. In der Carnegie Hall, New Yorks Konzerttempel, und später in Boston standen unter anderem Piazzolla, Wagner, Rossini, John Williams, Mozart und Mendelssohn auf dem Programm. Der leicht chaotische USAbenteuer-Arbeitsurlaub habe ihnen dennoch - oder deshalb? - "viel Spaß" gemacht, beteuerten die Philharmonikern dem faszinierten lvz redakteur.
Die lvz macht den Auftakt einer Serie über globale Finanzierungsprobleme im Bereich Theater, Orchester und Film. "Klagen auf hohem Niveau, sagen die einen, Niedergang einer jahrhundertealten Tradition die anderen" schreibt Esteban Engel. In zahlen: Seit 1992 seien 35 Orchester in Deutschland aufgelöst worden, 133 öffentlich finanzierte bestünden derzeit noch. Das seien etwa ein Viertel aller 560 stehenden Orchester, die es weltweit gebe. Doch die Zahl ist eindeutig rückläufig. Die Finanzierungsprobleme der öffentlichen Hände sind bekannt, auch der Unwille vieler Finanzpolitiker. Allein der Bund selbst erhöht derzeit seinen Kulturetat (1,2 Milliarden €), die der Kommunen (insgesamt 3,6 Milliarden €) und der Länder (3,3 Milliarden €) schrumpfen weiter.
Stilistisch und inhaltlich in großen Teilen überzeugend, habe die Biografie ihr Manko in der "dürftig" erscheinenden Erklärung von Handkes "Öffentlichkeitswirkung" im Begriff des "Messianischen". "Aufgewogen" würde dies vor allem durch die "Klugheit" von Herwigs Kommentaren zu Handkes (Pro-)Serbien-Essay, der seinerzeit große Entrüstung und Zorn - nicht nur bei Feuilletonisten - hervorgerufen hatte.
Sid Jacobson und Ernie Colón haben bereits viele brisante zeitgeschichtliche Themen in Graphic Novels, den Schwestern der "gewöhnlichen Comic-Hefte", bearbeitet. 9/11 und der "Krieg gegen den Terror" gehören dazu. Nun ist das jüngste Werk der beiden amerikanischen Comic-Veteranen im Carlsen-Verlag auf Deutsch erschienen: Die Biografie der Anne Frank als gezeichneter Roman. So historisch genau die einzelnen Bilder seien, wäre es ihnen vor allem darum gegangen, "Annes Persönlichkeit" darzustellen in klaren, eingängigen Bildern und verständlichen Texten, schreibt Thomas Burmeister. "Beängstigend" sei für Jacobson gewesen, dass das jüdische Mädchen, das 15-jährig in Bergen-Belsen starb, vom gleichen Jahrgang gewesen sei wie er selbst.
Die Leipziger Departures Film GmbH wird eine der Kurzgeschichten aus Clemens Meyers Band "Die Nacht, die Lichter" verfilmen. Darin erzählt Meyer die Geschichte des Mittfünfzigers Rolf, der sein gesamtes Vermögen auf der Pferderennbahn einsetzt, um weiteres Geld für die teure Operation seines geliebten Hundes aufzutreiben. In den Hauptrollen in dem ca. 20-25-minütigen Streifen spielen der künftige Intendant des Neuen Theaters Halle, Matthias Brenner, und Bernd Stempel.
In London hat gestern die erste Episode des Film "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" Welt-Premiere gehabt. Nur Peter Beddies durfte aus unerfindlichen Gründen - "vielleicht war in diesem speziellen Fall auch Magie im Spiel" - bereits einige Tage früher im Saal 1 des Leipziger Cinestar als Zuschauer eine Preview erleben. Doch Ralph Fiennes als Lord Voldemort ganz allein in einem "beunruhigend großen" Saal erleben zu dürfen, sei ein "zweifelhafter Genuss"gewesen. Wo selbst ein ganzer Kinosaal "das große Frösteln" bekäme, sei es allein tatsächlich "besonders schlimm". In deutschen Kinos ist der jüngste Potter ab 17. November in den Kinos.
Das Amerikagastspiel der Leipziger Kammerphilharmonie mit all seinen banalen Pannen (von vergeigten Dirigaten bis zu unzuverlässigen Veranstaltern) und triumphalen Höhepunkten beschreibt Mark Daniel in Aquarelltönen von leuchtender Farbigkeit. In der Carnegie Hall, New Yorks Konzerttempel, und später in Boston standen unter anderem Piazzolla, Wagner, Rossini, John Williams, Mozart und Mendelssohn auf dem Programm. Der leicht chaotische USAbenteuer-Arbeitsurlaub habe ihnen dennoch - oder deshalb? - "viel Spaß" gemacht, beteuerten die Philharmonikern dem faszinierten lvz redakteur.
Die lvz macht den Auftakt einer Serie über globale Finanzierungsprobleme im Bereich Theater, Orchester und Film. "Klagen auf hohem Niveau, sagen die einen, Niedergang einer jahrhundertealten Tradition die anderen" schreibt Esteban Engel. In zahlen: Seit 1992 seien 35 Orchester in Deutschland aufgelöst worden, 133 öffentlich finanzierte bestünden derzeit noch. Das seien etwa ein Viertel aller 560 stehenden Orchester, die es weltweit gebe. Doch die Zahl ist eindeutig rückläufig. Die Finanzierungsprobleme der öffentlichen Hände sind bekannt, auch der Unwille vieler Finanzpolitiker. Allein der Bund selbst erhöht derzeit seinen Kulturetat (1,2 Milliarden €), die der Kommunen (insgesamt 3,6 Milliarden €) und der Länder (3,3 Milliarden €) schrumpfen weiter.
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