"Die schärfsten Kritiker der Elche/ waren früher selber welche", schrieb Robert Gernhard und hat schon oft Recht behalten. Die lvz macht heute auf mit einem Artikel über die Spitzeltätigkeit des Historikers Michael Richter, seit 1994 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dresdner Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung und Verfasser des Standardwerkes "Die Friedliche Revolution. Aufbruch zur Demokratie in Sachsen 1989/90". Richter sagt selbst, er habe nach seiner 1981 erfolgten Ausreise in den Westen seine 2-jährige IM-Tätigkeit eingestellt. In den Akten sind nicht nur sehr eingehende und perfide Denunziationen zu lesen, die Stasi selbst war es auch, die seine Ausreise einfädelte, um Richter in der Auslandsspionage einzusetzen. Ob man Richter, der in späteren Publikationen seine IM-Tätigkeit bewusst falsch darstellte, glauben muss, oder ob er noch eine Zeitlang ein Doppelspiel getrieben hat, ist offen. Im Westen jedenfalls ist er nach seiner Übersiedlung am CDU-nahen Konrad-Adenauer-Institut tätig geworden, in seiner späteren Karriere wurde er sehr von der CDU protegiert. In zwei Artikeln über diesen Fall, die die lvz heute veröffentlicht, bleibt manches dunkel. So wird der heutige Landtagspräsident Rößler zwar mit einem Satz zitiert, er habe seinerzeit "erhebliche Vorbehalte wegen der Vergangenheit Richters gehabt" ihn im Hannah-Arendt-Institut einzustellen und der sächsische Stasi-Akten-Beauftragte Beleites sagte, "wenn ein Institut wie das HAIT einen solchen Fall unter der Decke hält, ist es diskreditiert". Mehr Informationen in der lvz? Fehlanzeige. Erst in der Welt-online ist zu erfahren, dass alle damaligen Verantwortlichen bis hin zur Landesregierung über Richters Vergangenheit informiert waren. Doch Richter habe sich als Opfer des DDR-Systems dargestellt und man glaubte ihm. Auch ein Bericht von 1991 aus der Gauck-Behörde, dass von Richter keine belastenden Aussagen als IM vorlägen, hat ihm geholfen. Ein Bericht, der der Behörde heute mehr als "peinlich" ist. In der Welt online ist auch zu lesen, wie sehr sich CDU und Michael Richter gegenseitig halfen und dass "sich alle Beteiligten darauf einigten, über diese Episode aus den Zeiten der Diktatur den Mantel des Schweigens zu legen" und dass der Stasi-Akten-Aufklärer Beleites, der im Beirat des HAIT war, bewusst in Unkenntnis gelassen wurde. Ein Treppenwitz scheint es zu sein, dass nun ausgerechnet durch Recherchen des Altstalinisten und gut mit damaligen MfS-Mitarbeitern vernetzten Horst Schneider die Wahrheit an die Öffentlichkeit kam. Schneider hatte sich offenbar über falsch dargestellte Passagen über den Herbst 1989 in Richters Standardwerk empört, die auch Horst Köhler in einer Festrede zur 20-Jahr-Feier der Maueröffnung in Leipzig kolportierte, wodurch die gefälschten Darstellungen erst einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden. All diese Merkwürdigkeiten haben eine damals wie heute sehr gut informierte Person wie Stanislaw Tillich nicht davon abgehalten, zu fordern, jede sächsische Schule solle "wenigstens ein Exemplar von Richters Werk in ihre Bibliothek stellen".
Dass Ministerpräsident Tillich jemals ein ausgewiesener Kritiker der Elche gewesen sei, kann man bekanntlich nicht behaupten. Er hat schließlich selbst Stasi-Kontakt zugeben müssen und es geschafft, die Diskussion darüber unter die Decke zu kehren. Die lvz tut das ihre dazu, diese Decke nicht zu lüften.
Die Abschiedstournee von Mick Hucknall und seiner Band Simply Red, dem "Missing Link zwischen europäischer Poptradition und tiefschwarzem Soul", endete augenscheinlich rührend. "This is the end!"ruft Hucknall seinen Zuhörern zum Abschied zu, lvz redakteur Lars Schmidt endet seinen Text: "Gottlob, er lügt." Denn die Zusammenarbeit der Musiker geht bruchlos weiter - nur unter anderem Namen (lvz vom 10.11.). Das Konzert war wohl großartig, das Musiker-Sextett jedenfalls "fantastisch", habe die Klangdichte einer "Bigband", die Lichtdramaturgie sei "herausragend", Hucknall selbst "von emotionaler Kraft" und "Charisma", das Ende schließlich "ohne theatralische Verabschiedung". Jubel.
Zwei neue Einspielungen des Bachschen Weihnachtsoratoriums gibt es passend zur Jahreszeit als CD zu kaufen. Zwei Mal spielt das Gewandhausorchester. Einmal mit den Thomanern unter Kantor Georg Christoph Biller, einmal mit dem Dresdner Kammerchor unter Leitung von Riccardo Chailly. Einmal traditionell, "so, wie Weihnachten klingen sollte", einmal "kompromisslos, überraschend, verstörend" und nur dem "zu erschließen", der "seine Hörgewohnheiten auszuschalten vermag". Biller gehe es um die Frohe Botschaft und Weihnachten, Chailly um Bach und jede einzelne seiner Noten. Wem Peter Korfmachers Sympathien gelten, ist unübersehbar. Bezeichnend dafür, dass Korfmacher ganz ohne seine häufige "einerseits-andererseits"-Haltung auskommt, ist, dass er den Dresdner Kammerchor schlicht als "sensationell" hervorhebt, den Thomanerchor indes nicht weiter erwähnt. Einerseits-andererseits betätigt sich nur das Chamäleon Gewandhausorchester.
In "ausgepresst" bedauert Nina May, dass die besten Zeiten des Rock'n'Roll leider vorüber seien. Beleg dafür ist die Saturn-Werbung mit Altrocker Alice Cooper als Dinosaurier und Tokio Hotel-Portier Bill Kaulitz als groupieumkreischtes Baby-Dino. All das macht für May noch keinen Sommer, "Rock'n'Roll sieht anders aus", leidet sie mit Rainald Grebe.
Erinnert sich noch wer an das "Ende Neu"-Plakat vom Beginn des Centraltheaters? Da sollte doch auch die Ära der Dinosaurier in Gestalt des Altrockers Wolfgang Engel abgelöst werden von der (Post-)Moderne des Intendanten-Babies Sebastian Hartmann. "Ach, Klaus, Rock'n'Roll sieht anders aus". Allerdings - langsam kommen sie ja in Fahrt. Der (Zauber-)Berg ruft! Beim Alpenglühen bei Luis Trenker und Thomas Mann sind sie also bereits angekommen.
Uwe Tellkamps neues Werk "Die Schwebebahn" ist eine Eloge an die Vergangenheit, schreibt Thomas Gärtner. Sehr persönlich führe Tellkamp den Leser durch wichtige Orte und Begebenheiten im Dresden seiner Kindheit, Jugend. Schließlich sei "Dresden ein langer Blick zurück, Gegenwart nur die Wasseroberfläche der Vergangenheit, die steigt und steigt." Für Thomas Gärtner nicht nur Quelle der Freude. Gegenwart scheint nur in Form der Sätze und Wörter zu existieren, mit den "altmeisterlichen Satzperioden und überladenen Attributketten", dem "wuchernden Wildwuchs", der versehen ist mit "schönen Lesefrüchten", die das Buch - immerhin - vor dem Wegwerfen schützen. Leider schreibt Gärtner nicht, welche Funktion die Vergangenheit für Tellkamp hat, in welcher Form dem Leser das Wasser steigt und steigt - vielleicht sogar bis zum Hals. Schade.
Janina Fleischer schreibt über einen Abend mit dem Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, David Grossmann im Alten Rathaus, bei dem Eva Matthes aus seinem Roman "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" liest und Stephan Detjen, Chefredakteur des DLF, mit dem Preisträger spricht. Über Israel, die Palästinenser, den Konflikt und den Alltag. Zum Alltag, besser, zur Realität, gehört auch der Tod. Vor der Nachricht über den Tod ihres Sohnes Ofer flieht die Hauptfigur des Romans, Ora. So, wie es der Autor ebenfalls tun wollte. Auch Grossmanns Sohn ist, während seines Militärdienstes, im israelisch-palästinensischen Konflikt gestorben. Grossmann ("Ich fürchte, ich werde das Buch nicht retten können") habe sein Buch fertigschreiben können, nachdem sein Schriftstellerkollege Amos Oz ihm antwortete: "Das Buch wird dich retten". So hat das Buch therapeutische Wirkung gehabt, aber es erzählt auch "mit feinfühligem Humor und sprachlicher Wucht" vom Überleben. Von der Wirklichkeit. Und von der Hoffnung auf Versöhnung.
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Donnerstag, 18. November 2010
lvz kultur vom 18.11.10: Stasispitzel, Stanislaw Tillich, Grossmann, Biller & Chailly
Mittwoch, 10. November 2010
lvz kultur vom 10.11.10: Straßen für die Kids, Maffay, Triegel und Faber&Jung
155 Mio € mehr für Inverstitionen. Viel Geld? Diese Summe verplant die sächsische Regierung angesichts sprudelnder Steuermehreinnahmen in Höhe von 550 Mio € allein in 2010, 162 Mio € in 2011 und 314 Mio € in 2012, wie Jürgen Kochinke schreibt. Nur(!) 155 Mio € muss man also sagen. Ausgegeben wird das Geld für Straßen, Brücken, den Bau von Krankenhäusern und Schulen. Die Kultur wird mit einer fetten roten Null abgespeist. Im Sozial- und Jugendbereich bleiben die diskutierten Kürzungen erhalten, auch bei der Polizei. Es ist nicht möglich, angesichts der Steuermehreinnahmen noch von Sparmaßnahmen zu reden, sondern nur noch von politisch gewollten Kürzungen. Das macht einen gravierenden Unterschied. Denn dahinter steckt mehr Konzept als es bisher schien. Die Zerschlagung kultureller Freiräume und der Jugend- und Sozialarbeit, wie in Leipzig geplant, ist genau so gewollt. Und seit spätestens Juni, als die geplanten Kürzungen durch Dresdens Landesregierung öffentlich wurden, hat die lvz nahezu sämtliche Gelegenheiten ausgelassen, mit Abgeordneten oder Ministern aus CDU oder FDP zum Thema der Kürzungen zu reden. Warum?
Claus Lochbiehler sprach mit Mick Hucknell über seinen bevorstehenden Abschied von Simply Red. Trennung oder gar Auflösung könne man dazu nicht sagen, schließlich sei er selbst Simply Red. Hucknell hat unterdessen einen anderen Sound im Kopf ("Musik, zu der man tanzen muss oder richtig Durst auf ein Bier bekommt"), die Plattenfirma untersagt ihm aber unter dem Label "Simply Red" Musik, die nicht nach Simply Red klingt. Die Marke zählt, darf nicht verändert werden. Also: Bevor Hucknell dazu verdammt ist, sich selbst zu covern, muss eine neue Marke her. Die Lösung: Nach der Abschiedstournee mit Simply Red tritt er erst solo unter neuem Namen mit neuem Sound auf, anschließend engagiert er die alten Bandmitglieder erneut.
Peter Maffay war für das Konzert "40 Jahre Rock'n'Roll" in der Arena Leipzig. Während ihn das 8000-stimmige Publikum "mit Hingabe, Gefühl und Andacht" verehrte und mitsang, lag Peter Korfmacher dem Klassik-Rocker regelrecht zu Füßen. Nicht nur die von Maffay beharrlich als Lieder bezeichneten "Songs" hätten Qualität, ebenso seine fantastische Band, und allen voran Carl Carlten, Maffays Mann an der Gitarre. Mit dem zusammen spielte Maffay eine "naturbelassene Musik, die unter die Haut geht": "zwei Männer, zwei Gitarren, wenige Akkorde".
Als Papst-Maler hat es Michael Triegel unterdessen zu Bekanntheit gebracht, das Tuch über dem vollendeten Porträt Benedikt XVI. hat Triegel nun erstmals für lvz redakteur Thomas Mayer gelüftet, bevor es ab 26. November im Bildermuseum nebst anderen Werken in der Ausstellung "Michael Triegel - Verwandlung der Götter" zu sehen sein wird. Auf dem Porträt halte Papst Benedikt ein Blatt Papier in der Hand mit den Weisheiten des Heiligen Augustinus. Ehrfürchtig gibt Mayer eine poetisch-religiöse Bildinterpretation zum besten: "Augustinus' Herzschlag schlägt in dieser Brust weiter." Seelenverwandtschaft? Augustinus jedenfalls ist unter anderem für seine autobiografischen "Confessiones/Bekenntnisse" berühmt geworden, in denen er die Wirklichkeit in drei Bereiche teilen will. Die Welt des höchsten Seins sei nur dem Geist zugänglich, das mit den Sinnen erfahrbare Werden sei dem niederen Bereich der Wirklichkeit zugeordnet. Die Trennung in Höheres und Niederes hat bekanntlich in vielerlei Hinsicht heute wieder Konjunktur. Demokratie adé. Es ist ein Kreuz mit sensiblen Künstlern, adeligen Politikern und Päpsten.
Ein Textmeer bei Windstärke Eins über eine Austellung von Carsten Tabel in der Galerie Kleindienst hat Meinhard Michael geschrieben. Aus ihm schwappt keine einzige Welle, kein einziger Satz bis ins Bewusstsein des schlingernden Lesers. Allein Tabels eigene Worte, "Menschen wie Hunde an Leitplanken" und "Er weiß es besser und denkt auch viel schöner als der Müll da unten auf der Straße", bleiben hängen. Vielleicht war jemand aus der heiligen Dreifaltigkeit Augustin - Benedikt - Triegel der Ghostwriter? Beim dritten Zitat wandern die Gedanken allerdings wieder heimwärts: "Kleines bisschen mitmachen bei der Diffusion [gleichmäßige Verteilung, ath.] von Kultur, man wünscht sich eine Untergrundarmee, die aber zu Hause bleiben darf, sich selbst vernebeln." Das hat Michael etwas zu wörtlich genommen. Athene ist schon ganz benommen.
Im Interview mit Mathias Wöbking jammert Freie-Szene-Sprecher Falk Elstermann gewohnt wortreich darüber, dass 5% von 100 Mio € weniger seien als 5% von 110 mio. €. Nun fühlt er sich irgendwie von der Kulturverwaltung über den Tisch gezogen. Sein Matheunterricht ist scheinbar schon sehr lange vorbei. Trotzdem schön, dass ein Seniorenstudium doch noch Früchte tragen kann.
Den täglichen Faber gibt uns heute die lokale variante der Dreifaltigkeit, Orbeck/Staeubert/Korfmacher. OBM Jung, der derzeit in Amerika weilt und dort eine Preisrede auf Kurt Masur hält (warum eigentlich?), hat ihn nur telefonisch von seiner Beschneidung informiert. Von Jung stammt auch die Charakterisierung Fabers als "Kreisklasse". Vergessen sollte er nicht, dass er selbst dem Transfer seinerzeit zugestimmt hat. Und nach Bundesliga, geschweige Champions-League, sieht der gegenwärtige Murks nicht aus, vielmehr nach menschlicher und politischer Führungsschwäche. Faber macht derweil, was er am liebsten macht, schweigen: "Meine Auffassung von Loyalität gebietet es mir, bis zur Rückkehr die Entscheidung nicht zu kommentieren". Bekannt ist nur, dass Faber als Kulturdezernent lieber noch nicht zurücktritt. Verständlich, erhält er doch bei einer Abwahl durch den Stadtrat bis 2016 monatlich 75% seiner gegenwärtigen Bezüge weiter.
Claus Lochbiehler sprach mit Mick Hucknell über seinen bevorstehenden Abschied von Simply Red. Trennung oder gar Auflösung könne man dazu nicht sagen, schließlich sei er selbst Simply Red. Hucknell hat unterdessen einen anderen Sound im Kopf ("Musik, zu der man tanzen muss oder richtig Durst auf ein Bier bekommt"), die Plattenfirma untersagt ihm aber unter dem Label "Simply Red" Musik, die nicht nach Simply Red klingt. Die Marke zählt, darf nicht verändert werden. Also: Bevor Hucknell dazu verdammt ist, sich selbst zu covern, muss eine neue Marke her. Die Lösung: Nach der Abschiedstournee mit Simply Red tritt er erst solo unter neuem Namen mit neuem Sound auf, anschließend engagiert er die alten Bandmitglieder erneut.
Peter Maffay war für das Konzert "40 Jahre Rock'n'Roll" in der Arena Leipzig. Während ihn das 8000-stimmige Publikum "mit Hingabe, Gefühl und Andacht" verehrte und mitsang, lag Peter Korfmacher dem Klassik-Rocker regelrecht zu Füßen. Nicht nur die von Maffay beharrlich als Lieder bezeichneten "Songs" hätten Qualität, ebenso seine fantastische Band, und allen voran Carl Carlten, Maffays Mann an der Gitarre. Mit dem zusammen spielte Maffay eine "naturbelassene Musik, die unter die Haut geht": "zwei Männer, zwei Gitarren, wenige Akkorde".
Als Papst-Maler hat es Michael Triegel unterdessen zu Bekanntheit gebracht, das Tuch über dem vollendeten Porträt Benedikt XVI. hat Triegel nun erstmals für lvz redakteur Thomas Mayer gelüftet, bevor es ab 26. November im Bildermuseum nebst anderen Werken in der Ausstellung "Michael Triegel - Verwandlung der Götter" zu sehen sein wird. Auf dem Porträt halte Papst Benedikt ein Blatt Papier in der Hand mit den Weisheiten des Heiligen Augustinus. Ehrfürchtig gibt Mayer eine poetisch-religiöse Bildinterpretation zum besten: "Augustinus' Herzschlag schlägt in dieser Brust weiter." Seelenverwandtschaft? Augustinus jedenfalls ist unter anderem für seine autobiografischen "Confessiones/Bekenntnisse" berühmt geworden, in denen er die Wirklichkeit in drei Bereiche teilen will. Die Welt des höchsten Seins sei nur dem Geist zugänglich, das mit den Sinnen erfahrbare Werden sei dem niederen Bereich der Wirklichkeit zugeordnet. Die Trennung in Höheres und Niederes hat bekanntlich in vielerlei Hinsicht heute wieder Konjunktur. Demokratie adé. Es ist ein Kreuz mit sensiblen Künstlern, adeligen Politikern und Päpsten.
Ein Textmeer bei Windstärke Eins über eine Austellung von Carsten Tabel in der Galerie Kleindienst hat Meinhard Michael geschrieben. Aus ihm schwappt keine einzige Welle, kein einziger Satz bis ins Bewusstsein des schlingernden Lesers. Allein Tabels eigene Worte, "Menschen wie Hunde an Leitplanken" und "Er weiß es besser und denkt auch viel schöner als der Müll da unten auf der Straße", bleiben hängen. Vielleicht war jemand aus der heiligen Dreifaltigkeit Augustin - Benedikt - Triegel der Ghostwriter? Beim dritten Zitat wandern die Gedanken allerdings wieder heimwärts: "Kleines bisschen mitmachen bei der Diffusion [gleichmäßige Verteilung, ath.] von Kultur, man wünscht sich eine Untergrundarmee, die aber zu Hause bleiben darf, sich selbst vernebeln." Das hat Michael etwas zu wörtlich genommen. Athene ist schon ganz benommen.
Im Interview mit Mathias Wöbking jammert Freie-Szene-Sprecher Falk Elstermann gewohnt wortreich darüber, dass 5% von 100 Mio € weniger seien als 5% von 110 mio. €. Nun fühlt er sich irgendwie von der Kulturverwaltung über den Tisch gezogen. Sein Matheunterricht ist scheinbar schon sehr lange vorbei. Trotzdem schön, dass ein Seniorenstudium doch noch Früchte tragen kann.
Den täglichen Faber gibt uns heute die lokale variante der Dreifaltigkeit, Orbeck/Staeubert/Korfmacher. OBM Jung, der derzeit in Amerika weilt und dort eine Preisrede auf Kurt Masur hält (warum eigentlich?), hat ihn nur telefonisch von seiner Beschneidung informiert. Von Jung stammt auch die Charakterisierung Fabers als "Kreisklasse". Vergessen sollte er nicht, dass er selbst dem Transfer seinerzeit zugestimmt hat. Und nach Bundesliga, geschweige Champions-League, sieht der gegenwärtige Murks nicht aus, vielmehr nach menschlicher und politischer Führungsschwäche. Faber macht derweil, was er am liebsten macht, schweigen: "Meine Auffassung von Loyalität gebietet es mir, bis zur Rückkehr die Entscheidung nicht zu kommentieren". Bekannt ist nur, dass Faber als Kulturdezernent lieber noch nicht zurücktritt. Verständlich, erhält er doch bei einer Abwahl durch den Stadtrat bis 2016 monatlich 75% seiner gegenwärtigen Bezüge weiter.
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