Haltet den Dieb! Das Dresdner Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung entlässt, wie Thomas Mayer berichtet, seinen wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Michael Richter, dessen Stasispitzeleien in ihrem ganzen Ausmaß in der vergangenen Woche an die Öffentlichkeit drangen, fristlos. HAIT-Direktor Dr. Heydemann spricht in Roland-Koch'scher Diktion von "brutalst möglicher Aufklärung", dem ersten Satz einer pompöse Wortungetüme ausstoßenden Nebelmaschine, die vor allem Beschwichtigung meint. Und Ablenkung. Denn im Zentrum der öffentlichen Diskussion steht längst das Institut selbst. Wie kann ein Institut, das sich nach der Wende mit dem Ziel gründete, den Totalitarismus in seinen Spielarten zu erforschen, sich selbst von den Konsequenzen ausnehmen? Dem Kuratorium des HAIT bis hinauf in die damalige Landesregierung waren die Spitzeltätigkeiten ihres Mitarbeiters bekannt. Des Mannes, der sich selbst - durchaus verlogen - als Opfer der Verhältnisse des SED-Staates bezeichnete. Das Mißverhältnis zwischen konkreten Hinweisen und dem Versuch des Weißwaschens kann nicht anders als offensichtlich gewesen sein. Man hat über all diese Details gerne den Mantel des Schweigens gelegt, potentielle Kritiker ausgegrenzt.
Das individuelle Versagen des Dr. Michael Richter und seine Beschönigungen, die nun in die fristlose Entlassung münden, sind das eine. Das andere, möglicherweise gravierendere, Verhalten ist das zielgerichtete Verschweigen und Vertuschen des Instituts selber, dessen Direktor sich auf "unsere vielfach anerkannte wissenschaftliche Arbeit" beruft, um von eigenem Fehlverhalten nicht reden zu müssen. Aber was ist eine solche Arbeit wert?
Was bedeutet fleißige, analytische Arbeit, wenn man sein eigenes Tun nicht einmal selbstkritisch betrachtet? Wie kann ein Institut überhaupt Totalitarismusforschung betreiben, wenn seine Leitung und seine Aufsicht Helfershelfer einer Diktatur ohne nähere Prüfung und Aufarbeitung beschäftigt? Wenn politische Opportunitäten sogar das eigene Forschungsgebiet zu beeinträchtigen drohen? Wie unparteiisch kann ein ehemaliger Spitzel eigentlich Ost-CDU-Geschichte aufarbeiten, wenn CDU- und ehemalige Ost-CDU Mitarbeiter es sind, die ihm zu dem Posten verholfen haben? Wie ist eine Institutsleitung zu bewerten, die den Sächsischen Landesbeauftragten für Stasiunterlagen bewusst in Unkenntnis über diesen Fall lassen will? Soll dieser womöglich weder weiter nach Unterlagen forschen noch eine eigene Bewertung abgeben? Wenn Öffentlichkeit schlicht als Gegner gesegen wird?
"Durchstreichen und weitergehen" war das Motto, das August Strindberg seinem Protagonisten im "Totentanz" mitgegeben hat. Das kann nicht für ehemalige Mitarbeiter und Helfer von Diktaturen gelten, wie Dr. Richter oder etwa auch Dr. Külow. Hannah Arendt hätte dem Institut möglicherweise das Tragen ihres Namens untersagt. Und von Herrn Tillich weiter kein Wort zu der Causa.
Jürgen Kleindienst schreibt in lvz kultur über die derzeitigen Terrorwarnungen und Warnungen vor Hysterie. Leider ist sein Artikel nur ein weiteres Bausteinchen einer Mystifikation, die betrieben wird. Wenn Kleindienst seine Analyse gipfeln lässt in der Bemerkung, "die Debatte finde in einem seltsamen Raum zwischen Fiktion und Realität, Ahnen und Wissen statt", steckt in seinen 100 Zeilen auch nur die Gefahr, eine Spielart geistiger Rinderkrankheit zu betreiben, wie es auch die verschiedensten Talkshowformate von Will bis sonstwo tun, wenn sie eine wabernde, oft halbgare Informationsfülle zu einem Hackfleisch-Brei verrühren. Einzig angemessene Auseinandersetzung bei einem Thema wie dem Terror ist doch wohl die konsequente Analyse, ist Sachlichkeit, die ihre eigenen Quellen und Gedanken offenlegt. Und sonst schweigt. Wer gibt welche Informationen? Welche Plausibilität haben diese gegebenenfalls?
Sonst gilt über den Berichterstatter über den Terror das gleiche wie für den Terroristen selbst: "Der Terrorist besetzt das Denken, da er den Raum nicht nehmen kann", wie Kleindienst den Publizisten Franz Wördemann zitiert. Dass Kleindienst kein Freund der Hysterie ist, ist erfreulich und auch, wenn er in Ehrhardt Körtings Aufruf zur "Wachsamkeit" die Nähe zur Denunziation und zur Hysterisierung sieht. Und doch trägt ein solcher Artikel latent zur Hysterie bei, weil er auf keinen konkreten Punkt, keinen Gedanken abzielt.
In der Glosse Szähne schreibt dazu Mathias Wöbking: "Als Thomas de Maizière dazu aufforderte, trotz aller Terror-Warnungen nicht hysterisch zu werden, was dachte er wohl, wie die Medien darauf reagieren?"
Und sonst? Mark Daniel betreibt Werbung für die Kulturpaten, die in Zeiten "drohender Rückgänge öffentlicher Fördermittel" zunehmend bedeutsam würden. Das Europäische Parlament hat sich nach über 20 nationalen und internationalen Preisen, die Feo Aladags Film "Die Fremde" zum Thema Ehrenmord unterdessen erhalten hat, ebenfalls zu dessen Auszeichnung mit dem Prix Lux bequemt. Elke Vogel berichtet über eine steigende Zahl kleiner Filmfestivals, oft zu Sparten- oder Nischenthemen. Thomas Mayer schreibt über das "Genie" des Insektenforschers und Literaten Jean-Henri Fabre, dessen Gesamtausgabe der Verlag Matthes & Seitz betreibt. Britta Gürke bewundert die "Transformation" des Theaters der Royal Shakespeare Copmpany in Stratford upon Avon, das nach jahrelanger Bautätigkeit eröffnet worden ist und Schauspieler und Zuschauer stärker in Kontakt treten lassen soll. Die ukrainische Künstlerin Lada Nakonechna arbeitet derzeit an einem 100 m² großen Wandbild in der Bibliotheca Albertina, das sie ganz mittels Bleistift aufträgt, wie Hendrik Schäfer mitteilt. Ausgerechnet, dass die Kultur in Frankreich Staatsangelegenheit ist, bewahrt sie dort gerade vor massiven Kürzungen, wie es manche andere Länder betreiben, schreibt Sabine Glaubitz. Leipzig, Dresden, Deutschland: Es geht also auch anders! Und Steffen Georgi hat beim Konzert von Giant Sand in der Moritzbastei ein indianisches Rezept gegen den Biss der Klapperschlange probiert: Meskalin. Erst kotzen, dann high werden. Oder wars die Musik? Jedenfalls war er berauscht.
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Donnerstag, 25. November 2010
Donnerstag, 23. September 2010
lvz kultur vom 23.09.10: Accentus, Loest & Titanick
Wer hätte das gedacht? Der Großteil der international im Fernsehen, im Kino und auf DVD zu sehenden Klassikproduktionen kommt aus Leipzig. Bisher und demnächst wohl auch, wie Peter Korfmacher berichtet. Denn Paul Smaczny, bisher Mitarbeiter bei der Filmproduktion EuroArts, hat eine eigene Firma, Accentus, gegründet. EuroArts wollte die Produktion mehr oder weniger abschaffen, mehr auf Vertrieb setzen. Doch Smaczny zeigte mit seinen 53 Jahren Traute und wurde selbst Unternehmer. Entscheidend ist: Alle bisherigen acht Mitarbeiter zogen mit. Die Künstler, mit denen er zum Teil bereits 20 Jahre zusammenarbeitete, produzieren weiter bei ihm. Und die Finanziers, Arte, das ZDF und ein japanischer Sender, geben weiterhin Geld.
Der Name des Bildes ist Symbol. "Aufrecht Stehen" heißt das Werk von Reinhard Minkewitz, das Erich Loest in Auftrag gegeben hat, um es der Universität zu schenken. Doch die wollte nicht. Die Uni hängt lieber Tübke und das Marx-Relief an ihre Wände, statt der Opfer der DDR zu gedenken. Nun steht die Medienstiftung der Sparkasse Gewehr bei Fuß, um das fertiggestellte Bild in Empfang zu nehmen. Werner Schulz, ehemaliger MdB, hielt die Laudatio auf Werk, Künstler und Stifter und erteilte der Uni einen herben Tadel. Ihr Rektor, Prof. Franz Häuser, verstünde mehr von Zahlen und Paragrafen als von Geschichte, lautet sein Vorwurf. Dafür versteht der gelernte Lokomotivschlosser Schulz genug von Literatur. Jedenfalls, so Schulz, habe Loest längst den Literaturnobelpreis verdient. Berichterstatter Thomas Mayer plädiert für Abwarten.
Gudula Kienemund war zu Besuch bei Robert Schiller, im Hauptberuf technisches Genie. Als Technischer Leiter von "15 bis 60 wilden Kerlen" verhilft der Tüftler mit Spitznamen Daniel Düsentrieb dem Theater Titanick zu seinen spektakulären Open-Air-Auftritten. Und endlich endlich ist mal Leipzig an der Reihe. Morgen, 23.30 Uhr, hat die Inszenierung "Feuer - Stahl - Klang. Eine Sinfonie für drei Hochöfen" auf dem Alten Messegelände Premiere. Eintritt frei! Sogar Dario Fo zeigte sich bei früheren Auftritten begeistert von den Qualitäten der Straßentheatertruppe: Für ihr "echtes Volkstheater" und extreme Spielfreude lobte der Literaturnobelpreisträger die halben Leipziger, halben Münsteraner ausdrücklich. Leider war aus der bereits angekündigten Regie zu einem Titanick-Stück zum 20-jährigen Mauerfall nichts geworden.
Und täglich grüßt das Naturkundemuseum: heute mit Mathias Orbecks Bericht über die Sonderschau "Tatort Wald", die die Polizeidirektion Westsachsen kuratierte. Wildunfälle und Holzdiebstähle seien ihr Thema. Die Schau richtet sich besonders an Autofahrer. Sie will aufklären, wie sich Kraftfahrer im besagten Fall verhalten sollten. Automobile Bildung also á la "Der 7. Sinn" . Ob ADAC und Auto-BILD als Sponsoren der Schau auftreten, ähnlich Gunther Sachs, der seinerzeit das Bildermuseum mit frischem Geld poppte, ist zwar unbekannt, bleibt aber dem Investigativ-Reporter der lvz bestimmt nicht lange verborgen.
Der Name des Bildes ist Symbol. "Aufrecht Stehen" heißt das Werk von Reinhard Minkewitz, das Erich Loest in Auftrag gegeben hat, um es der Universität zu schenken. Doch die wollte nicht. Die Uni hängt lieber Tübke und das Marx-Relief an ihre Wände, statt der Opfer der DDR zu gedenken. Nun steht die Medienstiftung der Sparkasse Gewehr bei Fuß, um das fertiggestellte Bild in Empfang zu nehmen. Werner Schulz, ehemaliger MdB, hielt die Laudatio auf Werk, Künstler und Stifter und erteilte der Uni einen herben Tadel. Ihr Rektor, Prof. Franz Häuser, verstünde mehr von Zahlen und Paragrafen als von Geschichte, lautet sein Vorwurf. Dafür versteht der gelernte Lokomotivschlosser Schulz genug von Literatur. Jedenfalls, so Schulz, habe Loest längst den Literaturnobelpreis verdient. Berichterstatter Thomas Mayer plädiert für Abwarten.
Gudula Kienemund war zu Besuch bei Robert Schiller, im Hauptberuf technisches Genie. Als Technischer Leiter von "15 bis 60 wilden Kerlen" verhilft der Tüftler mit Spitznamen Daniel Düsentrieb dem Theater Titanick zu seinen spektakulären Open-Air-Auftritten. Und endlich endlich ist mal Leipzig an der Reihe. Morgen, 23.30 Uhr, hat die Inszenierung "Feuer - Stahl - Klang. Eine Sinfonie für drei Hochöfen" auf dem Alten Messegelände Premiere. Eintritt frei! Sogar Dario Fo zeigte sich bei früheren Auftritten begeistert von den Qualitäten der Straßentheatertruppe: Für ihr "echtes Volkstheater" und extreme Spielfreude lobte der Literaturnobelpreisträger die halben Leipziger, halben Münsteraner ausdrücklich. Leider war aus der bereits angekündigten Regie zu einem Titanick-Stück zum 20-jährigen Mauerfall nichts geworden.
Und täglich grüßt das Naturkundemuseum: heute mit Mathias Orbecks Bericht über die Sonderschau "Tatort Wald", die die Polizeidirektion Westsachsen kuratierte. Wildunfälle und Holzdiebstähle seien ihr Thema. Die Schau richtet sich besonders an Autofahrer. Sie will aufklären, wie sich Kraftfahrer im besagten Fall verhalten sollten. Automobile Bildung also á la "Der 7. Sinn" . Ob ADAC und Auto-BILD als Sponsoren der Schau auftreten, ähnlich Gunther Sachs, der seinerzeit das Bildermuseum mit frischem Geld poppte, ist zwar unbekannt, bleibt aber dem Investigativ-Reporter der lvz bestimmt nicht lange verborgen.
Freitag, 20. August 2010
lvz kultur vom 20.08.10: Webcomedians, Mein Kampf, die Leipziger Schule und, ach Mensch, die Liebe!
Das musste ja kommen. Wahre Komödianten machen vor keiner Nische halt. Mitten unter 144 Millionen Treffern, die Google unter den Begriffen Youtube und Comedians ausspuckt, gibt es tatsächlich Perlen. Nina May hat sie gefunden. John Lajoie zum Beispiel, der einen abgerissenen Künstlerromantiker mimt, der in seiner "WTF Collection" getauften Serie den Rapper MC Unsicher darstellt mitsamt der schönen Zeile: "Ich bin es nicht wert, auf diesem Video zu sein, deshalb tue ich jetzt so, als wenn ich mir den Knöchel verstaucht hätte." Auch "Gesellschaftskritisches" über die Heuchelei nach Michael Jacksons Tod hat die May bei ihm gefunden. Nachhilfe in "Comedynetzkultur" biete das Portal Wikihow Hilfe, das in zehn Schritten den Weg zum erfolgreichen Comedian verspricht, inklusive Ratschlägen zum Hochladen der Videos. Darunter auch: "Mach keine verletzenden Witze, niemand mag das, weißt du". Youtube belohnt die erfolgreichen Videohochlader und Abonnentensammler mit Beteiligungen an eingeblendeten Werbebannern, umgerechnet mit ca. 10 Cent pro.
Esteban Engel schreibt über eine Untersuchung zum Leseverhalten der deutschen Bürger zwischen 1933 und 1945: "Lesen unter Hitler - Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich". Was spannend zu werden verspricht, entpuppt sich im Text als langweilige Faktensammlung, die Hitlers "Mein Kampf" (Spitzenreiter mit 12,5 Mio Auflage) neben den Ratgeber "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" (1,2 Mio), Karl Mays Werke oder Margaret Mitchells "Vom Winde verweht" (366000) aufführt. Mäßig erhellend einzig, dass das unkoordinierte Nebeneinander der etwa 50 Zensurstellen Kompetenz-Wirrwarr im Nazideutschland belegen und wahrhaft gewiefte Verlage in dieser Zeit den Grundstein zum späteren Erfolg legten, darunter C. Bertelsmann in Gütersloh.
Thomas Mayer berichtet darüber, dass Leipzig ab 11. September im ehemaligen Wohn- und Atelierhaus von Werner Tübke eine neue Galerie mit Werken der Leipziger Schule erhält. Der Frankfurter Kunstsammler Fritz P. Mayer, der bisher Wert auf strenge Diskretion legte, stiftete bereits mehreren Sammlungen ungenannt Bilder. Nun ist er zu der Überzeugung gekommen, dass insbesondere die Leipziger Schule (und er selbst) eine größere Präsenz in der Öffentlichkeit verdiene und nicht, wie im neueröffneten Dresdner Albertinum, nur eine marginale Rolle.
Über eine Werkschau des 2004 verstorbenen Leipziger Künstlers Günter Albert Schulz durch den Anhaltischen Kunstverein Dessau schreibt Christine Hochstein. Der zurückgezogen lebende und arbeitende Künstler wird mit Bildern aus sechs Jahrzehnten und in ganz verschiedenen Schaffensphasen präsentiert. In seinen Werken folgte er den Emotionen des Augenblicks ("Erst malen, dann denken"), sie seien Meditationsobjekte, "die das innere Bild sichtbar machen".
Und Mathias Wöbking findet in der Melancholie eines verregneten Sommers mit einem "Element of Crime"-Konzert auf der Parkbühne das passende Gegenstück. Die Kummerlieder des "kauzigen" Sven Regener lasse die wundervolle Musik des Kammermusik-Country-Ensembles "selbst in ihren Dur-Momenten nach Moll klingen". Und dann das Thema ("Ach Mensch, die Liebe"): "Ganz egal, woran ich gerade denke. Am Ende denk' ich immer nur an dich". Wovon soll der Mensch bloß noch singen, wenn er in einem Jahr die 50 erreicht?
Esteban Engel schreibt über eine Untersuchung zum Leseverhalten der deutschen Bürger zwischen 1933 und 1945: "Lesen unter Hitler - Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich". Was spannend zu werden verspricht, entpuppt sich im Text als langweilige Faktensammlung, die Hitlers "Mein Kampf" (Spitzenreiter mit 12,5 Mio Auflage) neben den Ratgeber "Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind" (1,2 Mio), Karl Mays Werke oder Margaret Mitchells "Vom Winde verweht" (366000) aufführt. Mäßig erhellend einzig, dass das unkoordinierte Nebeneinander der etwa 50 Zensurstellen Kompetenz-Wirrwarr im Nazideutschland belegen und wahrhaft gewiefte Verlage in dieser Zeit den Grundstein zum späteren Erfolg legten, darunter C. Bertelsmann in Gütersloh.
Thomas Mayer berichtet darüber, dass Leipzig ab 11. September im ehemaligen Wohn- und Atelierhaus von Werner Tübke eine neue Galerie mit Werken der Leipziger Schule erhält. Der Frankfurter Kunstsammler Fritz P. Mayer, der bisher Wert auf strenge Diskretion legte, stiftete bereits mehreren Sammlungen ungenannt Bilder. Nun ist er zu der Überzeugung gekommen, dass insbesondere die Leipziger Schule (und er selbst) eine größere Präsenz in der Öffentlichkeit verdiene und nicht, wie im neueröffneten Dresdner Albertinum, nur eine marginale Rolle.
Über eine Werkschau des 2004 verstorbenen Leipziger Künstlers Günter Albert Schulz durch den Anhaltischen Kunstverein Dessau schreibt Christine Hochstein. Der zurückgezogen lebende und arbeitende Künstler wird mit Bildern aus sechs Jahrzehnten und in ganz verschiedenen Schaffensphasen präsentiert. In seinen Werken folgte er den Emotionen des Augenblicks ("Erst malen, dann denken"), sie seien Meditationsobjekte, "die das innere Bild sichtbar machen".
Und Mathias Wöbking findet in der Melancholie eines verregneten Sommers mit einem "Element of Crime"-Konzert auf der Parkbühne das passende Gegenstück. Die Kummerlieder des "kauzigen" Sven Regener lasse die wundervolle Musik des Kammermusik-Country-Ensembles "selbst in ihren Dur-Momenten nach Moll klingen". Und dann das Thema ("Ach Mensch, die Liebe"): "Ganz egal, woran ich gerade denke. Am Ende denk' ich immer nur an dich". Wovon soll der Mensch bloß noch singen, wenn er in einem Jahr die 50 erreicht?
Montag, 16. August 2010
lvz kultur vom 17.08.10: Papst Benedikt, Günter Grass & Die Beatles
lvz kultur befasst sich mal wieder mit Rekorden, Stars und Jubiläen. Thomas Mayer besucht den Maler Michael Triegel in seinem Atelier in der Baumwollspinnerei, in der Hoffnung, einen Blick auf dessen Benedikt-Bild werfen zu können, das bisher nicht öffentlich zu sehen ist. Das glückt ihm nicht. Es befindet sich zur Rahmung in Frankfurt am Main. Aber Mayer erfährt einiges zum Werdegang des Papst-Porträts. Über die Begegnung mit Ratzinger. Über Gesichtsausdrücke. Die sechs Vorstufen zum Bild. Triegel interessiere der Intellektuelle und der "Mensch". Nicht der Papst, nicht der Kirchenpolitiker, sondern Benedikts Augen. Angeblich machte der Vatikan außer dem Format keine Vorgaben. Dass sich allerdings das Leipziger Bildermuseum "kaufen" lässt, ist nicht erst seit der Ausstellung mit Bildern und voyeuristischen Devotionalien von Gunter Sachs bekannt. Nun erhält Michael Triegel eine - kurzfristig geplante - Ausstellung seiner Werke, dafür ist Triegels Papstporträt ab 27. November dort erstmals in der Öffentlichkeit zu sehen.
Ach ja, das Bildermuseum. Nun hat es doch nicht ganz gereicht. Die erhofften 100.000 Besucher der Neo Rauch-Ausstellung "Begleiter" wurden um knappe 1000 verfehlt. Macht nichts. "Für Leipzig ein wunderbares Ergebnis", findet Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt, auch die Presseresonanz sei schier überwältigend. Und: Außer dem Bild "Unter Feuer", das Rauch und die Galerie Eigen + Art dem Museum schenkten, überliessen sie ihm auch zwei Dauerleihgaben.
Dem bekannten Gesicht Ratzingers folgen in der lvz kultur von heute das von Günter Grass und die der Beatles. Star-Schnitte gibts zwar nicht, dafür Elogen. Matthias Hoenig weiß - seherisch begabt - dass Grass sein "letztes großes Buch" geschrieben habe: "Grimms Wörter". Der dritte Teil seines autobiografischen Zyklus' sei "der deutschen Sprache" gewidmet, zudem finde Grass im Leben der Brüder immer wieder "Parallelen" zu seinem eigenen. So erinnere ihn der Eid auf die (hannoversche) Verfassung, den die Autoren des unvergleichlichen "Grimmschen Wörterbuches" und der ungleich bekannteren Märchensammlung gegenüber ihrem Fürsten in einem Akt des intellektuellen Widerstandes bekräftigen, an Grass' eigenen Eid auf den Gehorsam, den er selbst gegenüber der Waffen-SS ausgesprochen habe. Jenseits von Assoziationen auf seine eigene Biografie feiere Grass in seinem Werk allerdings den "nie enden wollenden Schöpfungsprozess".
1960, ein Jahr nach Grass' größtem Erfolg, der "Blechtrommel" vor nunmehr 50 Jahren, begann auch für eine Liverpooler Band mit ihren ersten Auftritten auf der Reeperbahn (im Musikklub "Indra") der - musikalische - Erfolg. Dorit Koch erinnert in ihrem Beitrag nicht nur an die späteren Auftritte im neugegründeten "Star-Club", sondern auch an schmutzige Wäsche, brennende Kondome und ewigen Hunger der damals noch Halbstarken. "Sechs bis acht Stunden mussten die Beatles dort Nacht für Nacht schuften und spielten dabei alle möglichen und unmöglichen Tanznummern der damaligen Zeit - das schult", bevor sie es mit ihrer ersten Single "Love Me Do" in die englische Hitparade schafften.
Ach ja, das Bildermuseum. Nun hat es doch nicht ganz gereicht. Die erhofften 100.000 Besucher der Neo Rauch-Ausstellung "Begleiter" wurden um knappe 1000 verfehlt. Macht nichts. "Für Leipzig ein wunderbares Ergebnis", findet Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt, auch die Presseresonanz sei schier überwältigend. Und: Außer dem Bild "Unter Feuer", das Rauch und die Galerie Eigen + Art dem Museum schenkten, überliessen sie ihm auch zwei Dauerleihgaben.
Dem bekannten Gesicht Ratzingers folgen in der lvz kultur von heute das von Günter Grass und die der Beatles. Star-Schnitte gibts zwar nicht, dafür Elogen. Matthias Hoenig weiß - seherisch begabt - dass Grass sein "letztes großes Buch" geschrieben habe: "Grimms Wörter". Der dritte Teil seines autobiografischen Zyklus' sei "der deutschen Sprache" gewidmet, zudem finde Grass im Leben der Brüder immer wieder "Parallelen" zu seinem eigenen. So erinnere ihn der Eid auf die (hannoversche) Verfassung, den die Autoren des unvergleichlichen "Grimmschen Wörterbuches" und der ungleich bekannteren Märchensammlung gegenüber ihrem Fürsten in einem Akt des intellektuellen Widerstandes bekräftigen, an Grass' eigenen Eid auf den Gehorsam, den er selbst gegenüber der Waffen-SS ausgesprochen habe. Jenseits von Assoziationen auf seine eigene Biografie feiere Grass in seinem Werk allerdings den "nie enden wollenden Schöpfungsprozess".
1960, ein Jahr nach Grass' größtem Erfolg, der "Blechtrommel" vor nunmehr 50 Jahren, begann auch für eine Liverpooler Band mit ihren ersten Auftritten auf der Reeperbahn (im Musikklub "Indra") der - musikalische - Erfolg. Dorit Koch erinnert in ihrem Beitrag nicht nur an die späteren Auftritte im neugegründeten "Star-Club", sondern auch an schmutzige Wäsche, brennende Kondome und ewigen Hunger der damals noch Halbstarken. "Sechs bis acht Stunden mussten die Beatles dort Nacht für Nacht schuften und spielten dabei alle möglichen und unmöglichen Tanznummern der damaligen Zeit - das schult", bevor sie es mit ihrer ersten Single "Love Me Do" in die englische Hitparade schafften.
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