Yello machen elektronische Musik. Und zwar verdammt gut. Aber sie folgen keinem Businessplan. Arbeiten ohne Projektmanagement. Sogar im Gegenteil, meint Jochen Overbeck. Dennoch müssen sich Blank/Meier den Erfolg vom Leib halten. Zehn Jahre, bevor es Yello gab, machte Dandy Dieter Meier Konzeptkunst. Fing an, dazu zu singen. Boris Blank, der stille Techniker, frickelte derweil an Elektrosounds, über die plötzlich Meier anfing, seinen Wortgesang zu legen. Sehr zum Unwillen des anderen Querkopfs. Doch ohne Gesang keine Platte; pure Erpressung. Also gab es in den Siebzigern eine "Arranged Marriage". 1980 fand die Musik den Weg nach Amerika. Und wurde zu Gold. "Der alte Affe Erfolg saß dem Duo seit jenen Tagen stets auf der Schulter." Doch die beiden Künstler lassen sich nicht korrumpieren. Wenn sie anfangen, eine Rose zu malen, kann daraus plötzlich ein Esel werden. Ob die Rose bei Yello dann auch i-a singt, steht demnächst in der lvz.
In einem sporadisch ironischen Artikel von Gerhard Weinreich wird die neue Google-Suchmaschine Ngrams vorgestellt. Angeblich sei sie ein Barometer für gesellschaftliche Tendenzen, was auch immer das ist. Vier Worte, Liebe, Freiheit, Mann und Frau werden untersucht. Anhand derer wird demonstriert, zu welchen "tiefen Erkenntnisgewinnen" die neueste Google-Such-Maschine in der Lage ist. Wenn das Wörtchen "Liebe" zu Zeiten der Romantik und immer just nach Weltkriegen viermal häufiger erwähnt wird als heute, wird aus der Tatsache ein zeitgenössisches "Jammertal". Wenn das Wörtchen "Frau" zwischen 1848 und heute fünfmal häufiger in Büchern vorkommt als heute, und - horrible dictu - "Mann" immer weniger, wird augenzwinkernd das Matriarchat ausgerufen. Für Weinreich ist das nichts als amüsante Spielerei, der man sich mit dem neuen Programm widmen könne. Für die hat Google 15 Mio. Bücher digitalisiert und analysiert. Dabei steht der von haufenweise Wissenschaftlern begleitete Spaß doch auf tönernen Füßen. Nach einem Krieg, in dem alles Metall, dessen man habhaft werden konnte, verbraucht wurde, wundert sich auch niemand, dass in den 10 Jahren nach dem Krieg weniger Metall- als Holzskulpturen geschaffen werden. Und dass mit der Ausweitung der Vertreibswege für Bücher und Zeitschriften, geschweige der elektronischen Medien, mehr und auch ganz andere Menschen Bücher und Texte veröffentlichen, als vor zweihundert Jahren und demzufolge die romantische Liebe und die politische Freiheit als Themen ganz einfach stärkere Konkurrenz bekommen, ist nicht abwegig. Sagt das etwas über den gesellschaftlichen Stellenwert der Liebe? Der Freiheit? Garnichts. Außer, dass die industrielle Revolution die Fans der Modelleisenbahn mehr werden lassen.
Eine N-Täuschung erlebte Janina Fleischer laut ihrer Glosse "ausgepresst" angesichts Mark Twains jüngst veröffentlichter Memoiren, die 100 Jahre nach seinem Tod erscheinen durften. Twains Worte, dass er testamentarisch eine Veröffentlichung so lange untersagt habe, um "frei reden zu können", ohne Angehörige oder Freunde in Erklärungsnöte zu bringen, erweisen sich als Makulatur. Denn die zeitgleich erfolgte, jüngste Neuübersetzung von Mark Twains "Tom Sawyer" und "Huckleberry Finn", der kulturellen Ursuppe der amerikanischen Zivilisation, hat mehr als nur einen Schönheitsfehler. In ihnen dürfen die Worte "Nigger" und "Injun", das entsprechend pejorative Wort für indianische Eingeborene, nicht vorkommen. Der ganze Quatsch einer dumm gewordenen "political correctness" findet sich in dieser Entscheidung wieder. So stark die rosarote Brille des irischen Bischofs James Ussher war, der die Entstehung der Erde auf 4004 v. Chr. festgelegt hat, und die der amerikanischen Kreationisten, die sie auf ca. 10.000 v. Chr. datierten, so wenig sind die Herausgeber Twains in der Lage, Fiktion von Realität sinnfällig voneinander zu scheiden. Jemand, der nicht lesen kann, warum "Nigger" der einzig richtige Ausdruck in dem Roman war, um ihm eine Wahrheit über die Wirklichkeit seiner Zeit zu verleihen, mag glauben, dass eine Welt, in der "Nigger" nicht vorkommt, eine bessere Welt ist. Sie ist leider nur eine dümmere. Denn ohne die Chance zu begreifen, wieso das Wort "Nigger" von ihren Verwendern rassistisch gemeint ist, ist das Tabu wertlos. So wie im biblischen Hohelied das Lob Gottes in erotischen Texten formuliert wurde, ist auch ein Liebesgedicht allein mit Worten der Fäkalsprache möglich und ebenso ein menschenfreundlicher Text, in dem das Wort "Nigger" 219-mal vorkommt.
Warum aber Janina Fleischer, die diesen ganzen Zusammenhang in wenigen Worten analysiert, Mark Twain als angenommenen zeitgenössischen Blogschreiber vorschiebt, um überhaupt Stellung zu der Verstümmelung seiner Bücher zu beziehen, ist leider nicht einsichtig, Die eigene Intelligenz und Leidenschaft unter den Scheffel zu stellen, zieht postwendend Feigheit nach sich.
Würg kotz schleim. Muss man zu Wolfram Leutze noch etwas sagen? Ein Tiefpunkt politischer Auseinandersetzung ist Leuzes Stellungnahme zur Kultur in Leipzig, wie ihn Ulrich Milde wiedergibt. Die Argumente contra Faber werden nicht substanzvoller, wenn Leuze zum wiederholten Mal angibt, "Faber sei nach anderthalbjähriger Amtszeit nicht in seinem Amt angekommen" und "stochere mit der Stange im schöngeistigen Nebel". Diese wahrhaft nebulösen Anschuldigung sind die eigentliche und permanente Beleidigung des Michael Faber. Und eine Bankrotterklärung politischer Argumentation. Von Opportunismus und Schleimerei ganz zu schweigen. Für diesen Befund muss man nicht einmal ein ausgewiesener Faberfreund sein. Zumal Leuze wenige Sätze später seine Eloge auf Hoch- und freie Kultur mit der "Qualität" der "Politik des Rathauses" in Zusammenhang bringt, allerdings zu Ungunsten des Rathauses. Will Leuze jetzt Jung mit abwählen? Der ist schon länger für die Malaise der Kulturpolitik mitzuständig als Faber. Übrigens auch Herr Leuze selbst! Dass nebenbei die Freie Szene zur vielfältigsten und buntesten in der Republik gekürt wird, zeugt vor allem von Unkenntnis, aber auch von fragwürdigen Maßstäben. Die Stadt muss sicher nicht jeden Farbtopf subventionieren, der im Regal steht. Dass Leuze Selbstkritik am liebsten als degoutant und defaitistisch schmähen möchte, mag man ihm gerne glauben. So viel hohles Schwätzertum, wie Milde allein in diesem einen Artikel aus dem Mund Leuzes zitiert, geht wirklich auf keine Kuhhaut. Ganz egal, ob er "nachfolgende Generationen" gegen alles und jeden ins Feld führt, die "Vision einer Gesellschaft in Solidarität, in der einer für den anderen mit sorgt" herbeischleimt uswusf. Leuze erinnert eher an Reineke Fuchs, der König Nobel einlullt, um ungeschoren seine niederen, dafür ehrlichen und mordlüsternen Triebe ausleben zu können.
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Freitag, 7. Januar 2011
Mittwoch, 6. Oktober 2010
lvz kultur vom 06.10.10: Leuze, Paoli, Wiglaf Droste & Israel
Wolfram Leuze, Kulturausschussvorsitzender, im Interview zum Thema "Wo spare ich Kultur ein" mit Peter Korfmacher. Einen konkreten Vorschlag macht er: Oper und Gewandhaus verwaltungstechnisch zusammenzulegen. Billig. Sogar poor lonesome comboy OBM Jung hat hier bereits Zustimmung signalisiert. Sonst: Weichgespülte Kacke. Der Schwarze Peter wird an "die Stadt" weitergereicht. Leuze erwarte "klare Ansagen", wo 2,5 Mio Euro eingespart werden sollen, falls das Land wirklich ernst macht. Feiger gehts nimmer. Im übrigen will Leuze z.B. lieber bei der Oper selbst einsparen als bei der Muko, weil er sich da im Einklang mit den Bürgern fühlt. Punkt eins: Leuze verschiebt die Verantwortung, Dresden zu stoppen, auf die Öffentlichkeit ("wäre ich der Bevölkerung dankbar, wenn sie verdeutlichen könnte, welche Folgen das hat"), nicht nur als Lautsprecher, ebenso als Meinungsmacher in Sachen Sparvorschläge. Punkt zwei: Leuze möchte reagieren, protestieren, im Rampenlicht stehen, nie als Akteur Stellung beziehen und Verantwortung zeigen.
Heißt: Kein eigener Vorschlag. Keine klare Stellungnahme. Abwarten und besserwissen.
Zu Punkt eins: Nix Verantwortung abwälzen. Hier und jetzt an über 100 Punkten Stellung beziehen gegen CDU und FDP im Land, die die Landesbühnen Sachsen aus ihrem Haus schmeissen wollen, um sie dem Unterhalt aller anderer Kultureinrichtungen, die von den Kulturräumen des Landes Sachsen bezahlt werden, aufzubürden. Verbündete suchen! Ideen haben. Reik Hesselbarth (FDP) zustimmen (wie die LINKEN) und umarmen. Kulturämter, Landräte, Theater, Bühnenverein, Politiker zusammenbringen. Nicht klugschwätzen ohne jegliche Konsequenz. Zu Punkt zwei: Klar sagen, dass die Kultur ebenso wie das Soziale kein Sparvolumen hergibt. Im Gegenteil. Landesbank zur Rechenschaft ziehen, weniger Marketing, weniger Apparat, mehr Inhalt, mehr Kultur. Aufrüsten, gerade wenns wehtut. Und Luft für eine Strukturänderung in drei Jahren sammeln. Währenddessen: Kreativwirtschaft stärken. Ansonsten: Weg von der Mainstreamkultur. Muko privatisieren. Überlegen, ob das Theaterhaus Jena Vorbild sein kann für eine Umwidmung des Stadttheaters. Verbunden mit einer Professionalisierung der latent selbstgefälligen und weitgehend amateurhaften OFF-Szene samt Stützung des bodenständigen Theaters der Jungen Welt, um den Unterbau für ein Theaterinteresse zu schaffen. Externe Aufträge suchen für die artenschutzbedrohten Theaterwerkstätten (vielleicht der MDR?, trotz Landesgrenzen Zusammenarbeit mit dem Theater Halle?). Und vor allem: Opernetat maßvoll streichen und im Grunde zusammenhalten für einen überregional interessanten Intendanten, der weiß, was er gemeinsam mit dem Gewandhaus veranstalten kann. Keine Provinzialisierung!!! Und wer von den Stadträten intimere Kenntnis hat von den Interna der Kulturbetriebe soll bitteschön mal eigene Gedanken haben, die Intendanten befragen (!) und konfrontieren, nicht wie Herr Leuze auf weichgespültem OBM-Kurs segeln.
Konservative aller Länder, ob Israel oder Deutschland, vereinigt euch! Heute beim Abend der Prüfgesellschaft für Sinn und Zweck im Centraltheater hat ein Zuschauer bei Wiglaf Drostes Sottisen gegen überhebliche Deutsche, die Israel vorschreiben wollten, wie sie politisch zu handeln hätten, nicht mehr an sich halten können (im Gegensatz zu Guillaume Paoli, der die ständig betonte "besondere Verantwortung" der Deutschen ironisierte). Der Zuschauer erzählte von Israel, dass heute einzelne Shoaüberlebende am Hungertuch nagten. Die öffentliche Reaktion: Deutschland solle zahlen. Daraufhin beteiligten sich jüdische twentysomethings an der Diskussion und empörten sich lautstark: Verantwortlich seid ihr selbst! Lasst doch nach so vielen Jahren endlich die Vergangenheit Vergangenheit sein und Deutschland aus dem Spiel. Wohlgemerkt: Es ging um individuelle Verantwortung und kollektive Schuldzuweisung. Der das im Centraltheater sagte, war ein augenscheinlich in Deutschland lebender, gebrochen deutsch sprechender Jude von Mitte Dreißig. Dass Paoli und Droste gegensätzlicher Meinung waren, ging bei dem äußerst wohlwollenden und zurückhaltenden Publikum (und Paoli selbst) leider unter. Da wäre ein Gespräch spannend geworden. Sattdessen gabs einstudierte Polemiken und kein Gespräch. Lag nicht an Paoli.
Die Konservativen in Israel empören sich über ein mögliches Gastspiel des israelischen Orchesters unter Leitung von Meirav Magen Lelie in Bayreuth. Katharina Wagner hat das Orchester eingeladen. Es lebt sich leichter mit klaren Fronten. Holocaustüberlebende betrachten ein Gastspiel als Kapitulation. Zur Kenntnis: Richard Wagner wird in Israel boykottiert.
Heißt: Kein eigener Vorschlag. Keine klare Stellungnahme. Abwarten und besserwissen.
Zu Punkt eins: Nix Verantwortung abwälzen. Hier und jetzt an über 100 Punkten Stellung beziehen gegen CDU und FDP im Land, die die Landesbühnen Sachsen aus ihrem Haus schmeissen wollen, um sie dem Unterhalt aller anderer Kultureinrichtungen, die von den Kulturräumen des Landes Sachsen bezahlt werden, aufzubürden. Verbündete suchen! Ideen haben. Reik Hesselbarth (FDP) zustimmen (wie die LINKEN) und umarmen. Kulturämter, Landräte, Theater, Bühnenverein, Politiker zusammenbringen. Nicht klugschwätzen ohne jegliche Konsequenz. Zu Punkt zwei: Klar sagen, dass die Kultur ebenso wie das Soziale kein Sparvolumen hergibt. Im Gegenteil. Landesbank zur Rechenschaft ziehen, weniger Marketing, weniger Apparat, mehr Inhalt, mehr Kultur. Aufrüsten, gerade wenns wehtut. Und Luft für eine Strukturänderung in drei Jahren sammeln. Währenddessen: Kreativwirtschaft stärken. Ansonsten: Weg von der Mainstreamkultur. Muko privatisieren. Überlegen, ob das Theaterhaus Jena Vorbild sein kann für eine Umwidmung des Stadttheaters. Verbunden mit einer Professionalisierung der latent selbstgefälligen und weitgehend amateurhaften OFF-Szene samt Stützung des bodenständigen Theaters der Jungen Welt, um den Unterbau für ein Theaterinteresse zu schaffen. Externe Aufträge suchen für die artenschutzbedrohten Theaterwerkstätten (vielleicht der MDR?, trotz Landesgrenzen Zusammenarbeit mit dem Theater Halle?). Und vor allem: Opernetat maßvoll streichen und im Grunde zusammenhalten für einen überregional interessanten Intendanten, der weiß, was er gemeinsam mit dem Gewandhaus veranstalten kann. Keine Provinzialisierung!!! Und wer von den Stadträten intimere Kenntnis hat von den Interna der Kulturbetriebe soll bitteschön mal eigene Gedanken haben, die Intendanten befragen (!) und konfrontieren, nicht wie Herr Leuze auf weichgespültem OBM-Kurs segeln.
Konservative aller Länder, ob Israel oder Deutschland, vereinigt euch! Heute beim Abend der Prüfgesellschaft für Sinn und Zweck im Centraltheater hat ein Zuschauer bei Wiglaf Drostes Sottisen gegen überhebliche Deutsche, die Israel vorschreiben wollten, wie sie politisch zu handeln hätten, nicht mehr an sich halten können (im Gegensatz zu Guillaume Paoli, der die ständig betonte "besondere Verantwortung" der Deutschen ironisierte). Der Zuschauer erzählte von Israel, dass heute einzelne Shoaüberlebende am Hungertuch nagten. Die öffentliche Reaktion: Deutschland solle zahlen. Daraufhin beteiligten sich jüdische twentysomethings an der Diskussion und empörten sich lautstark: Verantwortlich seid ihr selbst! Lasst doch nach so vielen Jahren endlich die Vergangenheit Vergangenheit sein und Deutschland aus dem Spiel. Wohlgemerkt: Es ging um individuelle Verantwortung und kollektive Schuldzuweisung. Der das im Centraltheater sagte, war ein augenscheinlich in Deutschland lebender, gebrochen deutsch sprechender Jude von Mitte Dreißig. Dass Paoli und Droste gegensätzlicher Meinung waren, ging bei dem äußerst wohlwollenden und zurückhaltenden Publikum (und Paoli selbst) leider unter. Da wäre ein Gespräch spannend geworden. Sattdessen gabs einstudierte Polemiken und kein Gespräch. Lag nicht an Paoli.
Die Konservativen in Israel empören sich über ein mögliches Gastspiel des israelischen Orchesters unter Leitung von Meirav Magen Lelie in Bayreuth. Katharina Wagner hat das Orchester eingeladen. Es lebt sich leichter mit klaren Fronten. Holocaustüberlebende betrachten ein Gastspiel als Kapitulation. Zur Kenntnis: Richard Wagner wird in Israel boykottiert.
Donnerstag, 29. Juli 2010
lvz kultur vom 29.07.10: Riehms "Dionysos", Männer und Krumbiegel
da besteht die möglichkeit, die uraufführung einer oper eines der wenigen großen, lebenden opernkomponisten unserer zeit, und damit unsere zeit selbst zu beschreiben, und die lvz vertut diese chance. schade.
wolfgang riehms opernphantasie "dionysos" über den denker friedrich nietzsche, bei den salzburger festspielen uraufgeführt, wurde, so rainer wagner, vom publikum mit großem jubel gefeiert. der rezensent vermutet darin allerdings, dass "die ratlosen sich nicht als nichtdenker entblössen wollten" - und reiht sich umstandslos unter ihnen ein. riehm benutze nietzsches texte als "wortsteinbruch", sein stück sei "ein irrgarten", die inszenierung pierre audis "so sperrig wie sinnlich", meeses bühne voller "chiffren". leider lässt wagner den ariadnefaden, den riehm mitliefere, in seinem eigenen text vermissen. keiner seiner sätze lässt beim leser bilder oder zusammenhänge entstehen, riehms musik- und bedeutungskosmos wird an keiner stelle angedeutet, die inszenierung versuche gar, statt sie zu "straffen" die "geschichte zu ende zu erzählen". peinlich wird es, als wagner der inszenierung schließlich ankreidet, auf das stück keine "eigene sicht" zu entwickeln, und im gleichen satz seinen vorwitz wieder zurückzieht, denn das sei "bei einer uraufführung auch nicht nötig".
"männer", eine ausstellung im leipziger fotomuseum mölkau mit porträts der fotografin eva mahn, hätte kritiker bernd locker am liebsten mit einer endlosschleife des grönemeyer-songs gleichen titels zum "audio-visuellen kabinett" gestaltet. umso lieber zitiert der rezensent aus der heiter-ironischen männermystifikation des ruhrpottpoeten. hinter den fotos - selbstinszenierten herrschaftsposen erfolgreicher menschen aus mahns direktem lebensumfeld, vom sparkassendirektor bis zum psychologen - vermutet locker die gleiche grönemyersche ironie, "anders" könne man "sich dem subtilen thema gar nicht nähern, zumal als frau". doch in mahns fotoporträts scheint mehr zu entdecken sein, als männer gerne von sich preisgeben möchten. das in ihrer inszenierung scheinbar individuell verkörperte starke und souveräne männliche ego entpuppt sich, so kann man bernd locker auch verstehen, in der vielfalt vielmehr als soziale konstruktion eines "als kind schon auf mann geeichten" (grönemeyer) geschlechts. dass zudem nur auf einem einzigen bild auch gefühl zum ausdruck kommt, stimmt den kritkermann allerdings nachdenklich.
auf der szene leipzig-seite darf sebastian krumbiegel über sein persönlich-prägendes musikerlebnis schreiben. es ist "bohemian rhapsody" von queen, ohne die es - so kalauert krumbiegel - keine prinzen gegeben hätte. das schräge psychogramm eines jungen mannes, der gerade jemand erschossen habe, sei große oper und gleichzeitig eine unbesch und Krumbiegelreibliche reise durch verschiedene musikstile, die ihn erst zum musikstudium gebracht hätte, und auch noch in 100 jahren gehört würde.
in der szähne-glosse brilliert mathias wöbking mit der nachricht, das "künstlerkollektiv bp" habe den leipziger maler michael fischer-art engagiert, trotzdem der in der bp-kernkompetenz "öl-malerei in wasser" ein noch unbeschriebens blatt sei. hoffnung - insbesondere für die echtzeit-installation "deepwater horizon" - läge vielmehr in der selbstzerstörerischen kraft des fischer-art-oeuvres, das dieser schon vielfach, u.a. in seinem kunstprojekt am leipziger brühl, bewiesen habe.
warm anziehen darf sich die leipziger kultur, wenn man dem grünen-fraktionschef und vorsitzenden des kulturausschusses wolfram leuze in seinem gespräch mit ulrich milde zuhört. er möchte partout lieber nicht selbst sagen, wo künftig gelder im stadthaushalt eingespart werden sollten, sondern möchte der guten basisdemokratischen tradition folgen, die bevölkerung selbst darüber entscheiden zu lassen, wo sie sich amputieren möchte, d.h. welche kultureinrichtung eingespart werden könne. prost mahlzeit.
wolfgang riehms opernphantasie "dionysos" über den denker friedrich nietzsche, bei den salzburger festspielen uraufgeführt, wurde, so rainer wagner, vom publikum mit großem jubel gefeiert. der rezensent vermutet darin allerdings, dass "die ratlosen sich nicht als nichtdenker entblössen wollten" - und reiht sich umstandslos unter ihnen ein. riehm benutze nietzsches texte als "wortsteinbruch", sein stück sei "ein irrgarten", die inszenierung pierre audis "so sperrig wie sinnlich", meeses bühne voller "chiffren". leider lässt wagner den ariadnefaden, den riehm mitliefere, in seinem eigenen text vermissen. keiner seiner sätze lässt beim leser bilder oder zusammenhänge entstehen, riehms musik- und bedeutungskosmos wird an keiner stelle angedeutet, die inszenierung versuche gar, statt sie zu "straffen" die "geschichte zu ende zu erzählen". peinlich wird es, als wagner der inszenierung schließlich ankreidet, auf das stück keine "eigene sicht" zu entwickeln, und im gleichen satz seinen vorwitz wieder zurückzieht, denn das sei "bei einer uraufführung auch nicht nötig".
"männer", eine ausstellung im leipziger fotomuseum mölkau mit porträts der fotografin eva mahn, hätte kritiker bernd locker am liebsten mit einer endlosschleife des grönemeyer-songs gleichen titels zum "audio-visuellen kabinett" gestaltet. umso lieber zitiert der rezensent aus der heiter-ironischen männermystifikation des ruhrpottpoeten. hinter den fotos - selbstinszenierten herrschaftsposen erfolgreicher menschen aus mahns direktem lebensumfeld, vom sparkassendirektor bis zum psychologen - vermutet locker die gleiche grönemyersche ironie, "anders" könne man "sich dem subtilen thema gar nicht nähern, zumal als frau". doch in mahns fotoporträts scheint mehr zu entdecken sein, als männer gerne von sich preisgeben möchten. das in ihrer inszenierung scheinbar individuell verkörperte starke und souveräne männliche ego entpuppt sich, so kann man bernd locker auch verstehen, in der vielfalt vielmehr als soziale konstruktion eines "als kind schon auf mann geeichten" (grönemeyer) geschlechts. dass zudem nur auf einem einzigen bild auch gefühl zum ausdruck kommt, stimmt den kritkermann allerdings nachdenklich.
auf der szene leipzig-seite darf sebastian krumbiegel über sein persönlich-prägendes musikerlebnis schreiben. es ist "bohemian rhapsody" von queen, ohne die es - so kalauert krumbiegel - keine prinzen gegeben hätte. das schräge psychogramm eines jungen mannes, der gerade jemand erschossen habe, sei große oper und gleichzeitig eine unbesch und Krumbiegelreibliche reise durch verschiedene musikstile, die ihn erst zum musikstudium gebracht hätte, und auch noch in 100 jahren gehört würde.
in der szähne-glosse brilliert mathias wöbking mit der nachricht, das "künstlerkollektiv bp" habe den leipziger maler michael fischer-art engagiert, trotzdem der in der bp-kernkompetenz "öl-malerei in wasser" ein noch unbeschriebens blatt sei. hoffnung - insbesondere für die echtzeit-installation "deepwater horizon" - läge vielmehr in der selbstzerstörerischen kraft des fischer-art-oeuvres, das dieser schon vielfach, u.a. in seinem kunstprojekt am leipziger brühl, bewiesen habe.
warm anziehen darf sich die leipziger kultur, wenn man dem grünen-fraktionschef und vorsitzenden des kulturausschusses wolfram leuze in seinem gespräch mit ulrich milde zuhört. er möchte partout lieber nicht selbst sagen, wo künftig gelder im stadthaushalt eingespart werden sollten, sondern möchte der guten basisdemokratischen tradition folgen, die bevölkerung selbst darüber entscheiden zu lassen, wo sie sich amputieren möchte, d.h. welche kultureinrichtung eingespart werden könne. prost mahlzeit.
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