Michael Fuchs kann nichts dafür. Es ist die lvz redakteurin Katrin Henneberg, die diesen überflüssigen Aufmacher auf den Kulturseiten über eine "nicht nur Koryphäe, sondern auch dem Thomanerchor beruflich eng verbundene" Person geschreibselt hat: Einen Facharzt für HNO-Heilkunde, Phoniatrie und Pädaudiologie (von denen der Allgemeinwissende vermutlich nicht den Hauch einer Ahnung hat und erhält). Zum Glück ist die lvz dem Thomanerchor "beruflich eng verbunden" und wer wem noch beruflich und wirtschaftlich eng verbunden ist, möchte man eigentlich garnicht wissen. Zu unappetitlich ist diese Gemengelage. Wenn es nur wenigstens ein interessanter Artikel wäre!! Nichts da. Einen so uninspirierten Schulaufsatz wie ihn Katrin Henneberg da über einen sicher respektablen Mediziner verbrochen hat, leistet man sich nicht mal 10 oder 20 Seiten weiter hinten in der lvz, wo auf den Stadtteilseiten neben den Artikeln über Tomatendiebe auf dem Wochenmarkt sogar immer mal wieder Perlen auftauchen. Es ist nur so quälend, sich durch all den Winterschlussverkauf des Schreibgewerbes zu wühlen. Da kann man dem selbst gesetzten Anspruch, sich über Katzengold zu freuen, doch untreu werden.
Wie Prof. Fuchs als Dötz anfing, täglich fünf Minuten den Staub von den Flügeln der Thomanerschule hinwegzuwedeln, dass ihm der "extrem straff organisierte Tagesablauf im Chor" als Klinikarzt sehr geholfen hätte, dass er schließlich bei Ergreifen eines ordentlichen Berufes das Singen als Hobby weiterführen konnte, heute leider nur noch zu Kinder- und Wiegenliedern komme, dass Prof. Fuchs die Thomaner-Kinder nach der "Mutation", dem Stimmwechsel in der Pubertät, begleite, und nicht zuletzt, dass der gute Professor sich dank seiner Frau "auch populären Stilen geöffnet" habe und was dergleichen überflüssige Informationen mehr sind. Wäre der Artikel auf gut die Hälfte eingekürzt auf der Wissenschaft-/Uniseite erschienen oder in der Rubrik Familienleben, hätten sich sicher ein paar interessierte Leser gefunden. Dieser schmierige, belanglose und langweilige Beitrag zum Thomanerjubiläum (welchem auch immer) ist ein Elend, Pressemissbrauch ohne Rüge, ohne Unterhaltungswert und Mindeststrafe.
Dass Jürgen Kleindienst aus alter Gewohnheit verbunden mit dem Verschlampen der Fernbedienung nach dem Sonntags-Tatort bei Anne Will hängengeblieben ist, lässt er nun unter dem Titel "60-Minuten-Ei" an allen dem Verbalgemetzel hilflos ausgesetzten "ausgepresst"-Lesern aus. Texte, in denen die Wortungetüme Schnittlauch, doof, und Peter Hahne auffällig werden, gehören eh schon unter verschärfte Erziehungsmaßnahmen gesetzt. Wenn diese noch mit Geflügelfunktionär, Respekt vor Mensch und Tier und total scheiße vermengt werden, ist der Untergang des Abendlandes oder die Glosse der lvz nicht weit. Am Ende wirbt jkl sogar noch mit dem Nachfolger des Kolumbus, der womöglich den Seeweg von Indien nach Leipzig gefunden hat. Autogrammjäger finden sich bitte umgehend im Lindenauer Hafen ein.
Das Jugendsinfonieorchester der Musikschule hat mit dem MDR Sinfonieorchester unter Leitung von Jun Märkl Tschaikowskis Vierte aufgeführt. So weit so gut. Dass Birgit Hendrich aus dieser schlichten Tatsache, und dem Umstand, dass dem JSO und seinen Spielern seine "Grenzen" aufgezeigt wurden, eine Baklavaklebrige Textsuppe kocht, in der eine Zeile in die nächste zäh fließt, ist vermutlich immer noch dem Sonntagsnachmittagslikör zu verdanken. Wenn die lvz demnächst die "Un-Sätze" des Jahres prämiert, gehört der folgende sicher zu den ernstzunehmenden Kandidaten: "Im Lento werden die Gefühle mit Müller-Schott dreidimensional, ganz leise und weich, fließen Holz und Streicher parallel, bevor sie im Adagio punktgenaue Akzente setzen." Ähnlich orientierungslos in Raum und Zeit muss Kolumbus' Segler Santa Maria zwischen den Bahamas herumgeirrt sein. Hendrich lässt schließlich mit höchstem Pathos die kulturelle und erzieherische Spitzenleistung des Gohlis-Süd-Nachwuchses in ihrem Text auströpfeln: "Das unbeschreibliche Gefühl, mit Hilfe der Großen über sich hinausgewachsen zu sein."
Ariane Bach, Linda Bögelein, Wiebke Eichler und Marius Emsel haben drei Monate zu spät einen Artikel über die Auswirkungen der Novelle des Kulturraumgesetzes in Dresden respektive Leipzig geschrieben. Er lässt sich kurz und bündig mit "Der Teufel scheißt auf den größten Haufen" umschreiben und gipfelt in der Erkenntnis der Dresdner Kulturstadträtin Crista Müller von der CDU: "Dresden kann doch nichts dafür, dass beispielsweise die Kunstsammlung und die Semperoper nun einmal hier gegründet wurden."
Nina May hat "ergänzend zur herausragenden Halbzeitbilanz der Saison 2010/2011" des Theaters der Jungen Welt (89,2% Platzausnutzung, Silbermedaille für die 25.240 Zuschauer bis Ende Dezember, nur 21 Hundertstel hinter der erstplatzierten Saison 2007/2008), mit Intendant Jürgen Zielinski gesprochen. Aus Gründen der "Entlastung der Schauspieler" sowie aus künstlerischen Gründen, meint Zielinski, brauche das Leipziger Theater dringend eine Spielstätte für 100 Personen.
Das erste Theaterstück der Schauspielerin Marie Bäumer, die Szenencollage "Abschied", bei der sie auch selbst Regie geführt hat, scheint seinen Höhepunkt bereits vor Aufleuchten des ersten Scheinwerfers gehabt zu haben. Ein "Schrei, schrill und verzweifelt", hallte durch die noch dunklen Hamburger Kammerspiele. Die beinahe einzige eindrückliche Szene, die Jenny Tobien in dem Stück über die Trauer nach dem Tod des Liebespartners für die lvz bemerkt hat. Ansonsten: Ein Stück, "nicht wirklich mitreißend und bewegend."
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Dienstag, 11. Januar 2011
Montag, 3. Januar 2011
lvz kultur vom 3.1.11: Dschungelcamp & Langhans, Märkl, Leonardo & Caravaggio
AngstLust ist ein bekanntes Phänomen. EkelLust spätestens seit dem rtl Dschungelcamp auch. "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" spielt seit Beginn aber auch mit der Lust an der Selbstverstümmelung. Otto Mühl, Hermann Nitsch, Chris Burden, Günter Brus oder Marina Abramovic stehen für Künstler, deren Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, dem Ekel und dem Schmerz immer extremere, auch lebensgefährliche Züge annahm, mit denen sie Gewaltverhältnisse deutlich machten, sich auf rituelle Kulthandlungen bezogen oder in den Extremerfahrungen auch kathartische Erfahrungen bei den Zuschauern auslösen wollten. Rainald Goetz machte 1983 seine Rasierklinge-schlitzt-Schädel-Lesung bei den Bachmann-Tagen in Klagenfurt zur performativen Erweiterung "toter Literatur". Hin zum wirklichen Leben, das blutet. Zum Beispiel. Insofern sind rtl, Dirk Bach und Sonja Zietlow Epigonen der Künstler hin zu einem Massengeschmack. Übrigens setzten von der Straße eingeladene Beteiligte an einer ihrer Kunstaktionen Marina Abramovic eine geladene Pistole an die Stirn und forderten sie auf abzudrücken. Ob dieses - aktiv aggressive - Publikum eine Wahlverwandtschaft mit den Dschungelcampzuschauern bildet, die immerhin Ekelaufgaben vergeben können, steht auf einem anderen Blatt. Rainer Langhans, einziger bisher feststehender Teilnehmer am Dschungelcamp, hat im Gegensatz dazu den potentiell persönlichkeitssteigernden Charakter der Sendung betont: "Genau genommen ist das Dschungelcamp die Urszene der Kommune - und unserer damaligen Bewegung. Es geht darum, in sich zu gehen, sich neu zu erfinden und zu entwickeln."
"Da sprach der alte Häuptling der Indianer, wild ist der Westen, schwer ist der Beruf. Uff."
Christina Zimmermann hat von diesem bewusstseinserweiternden Aspekt der Sendung offenkundig nicht so viel gehalten und schreibt in ihrem Vorbericht für die lvz kultur zur fünften Auflage der Live-Show, "In der rtl Show präsentieren sich die Möchtegern-Stars und Sternchen von ihrer natürlichsten, wohl aber auch würdelosesten Seite." Die Zuschauer auch: "Das Publikum will schließlich nur eines: Sie leiden sehen."
In ausgepresst erkennt Nina May den subversiv solidarischen Charakter der momentanen Schneekatastrophe, erkennt den wahren utopischen Gehalt von "Deutschland. Ein Wintermärchen" und fragt ganz lieb bei chefredakteur Bernd Hilder an, ob der nicht in den Büros der lvz die Heizung ausstellen lassen kann. "Das sorge für kuscheliges Kollegenmiteinander."
Mit zwei Dingen kann Peter Korfmacher nicht gut umgehen: Mit leidenschaftslosem orchestralem Präzisionsspiel und mit Veranstaltungen für Kinder. Da weiß er einfach nicht recht einzuschätzen, ob die lieben Kinderlein denn wirklich Spaß an der Freud haben (dürfen) während unser Peter vor lauter Qual von einer Arschbacke auf die andere rutscht. So wie jüngst bei der Zauberflöte im Centraltheater, bei der er heitere Miene zum bösen Spiel machen wollte(?). Beim mdr Neujahrskonzert unter Leitung von Jun Märkl läßt er zumindest durchscheinen, dass Kritik nicht nur an der Spielweise und der "unbändigen Freude" der Musiker und ihres Chefs Märkl am "virtuosen Fischen im flachen Wasser" angesagt sei, sondern auch, dass "dem langen Abend ein roter Faden" fehle, eine "Dramaturgie in der Kombination von Musik mit Tanz und Puppenspiel" ohnehin nicht zu erkennen sei. Und setzt eine kleine hämische Spitze darin, dass er der Veranstaltung für Kinder einen "außermusikalischen Mehrwert" unterstellt, nämlich, das "Funkorchester und sein Publikum wirklich wieder zueinander" zu führen. Hätte aber nicht so gut geklappt: Das Konzert sei vom "Befund ausverkauft noch ein gutes Stück entfernt."
Am Ende freut sich Korfmacher dafür auf Penderecki, der in der Reiheins des mdr am 15. Januar auftische. Eher seine Kragenweite.
Christoph Driessen nennt die angesagtesten Ausstellungen in 2011: "Das Kunst-Ereignis des kommenden Jahres" sei die Leonardo-da-Vinci-Ausstellung in Londons National Gallery, mit so gut wie allen Originalen, nur die Mona Lisa fehle. In Deutschland finde ebenfalls eine spektakuläre Renaissance-Ausstellung im Bode-Museum mit über 150 Porträts von da Messina bis Botticelli statt. Das Frankfurter Städel wartet zur Wiederöffnung mit "Beckmann und Amerika" auf, die Kunsthallen Hamburg und Bonn mit einer gemeinsamen Liebermann-Ausstellung. Wichtigste Ausstellung zu einem deutschen Künstler der Gegenwart sei eine Retrospektive zu Gerhard Richter in Londons Tate Modern, passenderweise zeigen auch das Bucerius Kunstforum und die Kunsthalle in Hamburg in 2011 zwei Ausstellungen zu Gerhard Richter.
Gerald Felber wiederum berichtet von der "Hommage an Caravaggio 1610/2010" in der Berliner Gemäldegalerie, in der vier Originalen des Dramatikers "des menschlichen Fleisches zwischen Rausch und Ekel, Himmelsekstase und Gosse, Kraft und Hinfälligkeit" eine Fülle von Nachfolgern, Epigonen und Widersachern zur Seite gestellt werden. Bei allen von Felber konzedierten Unterschieden träfen sich diese doch immer wieder darin, dass "sie sich am runzligen Verfall mürben Greisenfleisches delektierten." Ob da Frank Schirrmachers Methusalem-Komplott bereits vorgezeichnet wurde?
"Da sprach der alte Häuptling der Indianer, wild ist der Westen, schwer ist der Beruf. Uff."
Christina Zimmermann hat von diesem bewusstseinserweiternden Aspekt der Sendung offenkundig nicht so viel gehalten und schreibt in ihrem Vorbericht für die lvz kultur zur fünften Auflage der Live-Show, "In der rtl Show präsentieren sich die Möchtegern-Stars und Sternchen von ihrer natürlichsten, wohl aber auch würdelosesten Seite." Die Zuschauer auch: "Das Publikum will schließlich nur eines: Sie leiden sehen."
In ausgepresst erkennt Nina May den subversiv solidarischen Charakter der momentanen Schneekatastrophe, erkennt den wahren utopischen Gehalt von "Deutschland. Ein Wintermärchen" und fragt ganz lieb bei chefredakteur Bernd Hilder an, ob der nicht in den Büros der lvz die Heizung ausstellen lassen kann. "Das sorge für kuscheliges Kollegenmiteinander."
Mit zwei Dingen kann Peter Korfmacher nicht gut umgehen: Mit leidenschaftslosem orchestralem Präzisionsspiel und mit Veranstaltungen für Kinder. Da weiß er einfach nicht recht einzuschätzen, ob die lieben Kinderlein denn wirklich Spaß an der Freud haben (dürfen) während unser Peter vor lauter Qual von einer Arschbacke auf die andere rutscht. So wie jüngst bei der Zauberflöte im Centraltheater, bei der er heitere Miene zum bösen Spiel machen wollte(?). Beim mdr Neujahrskonzert unter Leitung von Jun Märkl läßt er zumindest durchscheinen, dass Kritik nicht nur an der Spielweise und der "unbändigen Freude" der Musiker und ihres Chefs Märkl am "virtuosen Fischen im flachen Wasser" angesagt sei, sondern auch, dass "dem langen Abend ein roter Faden" fehle, eine "Dramaturgie in der Kombination von Musik mit Tanz und Puppenspiel" ohnehin nicht zu erkennen sei. Und setzt eine kleine hämische Spitze darin, dass er der Veranstaltung für Kinder einen "außermusikalischen Mehrwert" unterstellt, nämlich, das "Funkorchester und sein Publikum wirklich wieder zueinander" zu führen. Hätte aber nicht so gut geklappt: Das Konzert sei vom "Befund ausverkauft noch ein gutes Stück entfernt."
Am Ende freut sich Korfmacher dafür auf Penderecki, der in der Reiheins des mdr am 15. Januar auftische. Eher seine Kragenweite.
Christoph Driessen nennt die angesagtesten Ausstellungen in 2011: "Das Kunst-Ereignis des kommenden Jahres" sei die Leonardo-da-Vinci-Ausstellung in Londons National Gallery, mit so gut wie allen Originalen, nur die Mona Lisa fehle. In Deutschland finde ebenfalls eine spektakuläre Renaissance-Ausstellung im Bode-Museum mit über 150 Porträts von da Messina bis Botticelli statt. Das Frankfurter Städel wartet zur Wiederöffnung mit "Beckmann und Amerika" auf, die Kunsthallen Hamburg und Bonn mit einer gemeinsamen Liebermann-Ausstellung. Wichtigste Ausstellung zu einem deutschen Künstler der Gegenwart sei eine Retrospektive zu Gerhard Richter in Londons Tate Modern, passenderweise zeigen auch das Bucerius Kunstforum und die Kunsthalle in Hamburg in 2011 zwei Ausstellungen zu Gerhard Richter.
Gerald Felber wiederum berichtet von der "Hommage an Caravaggio 1610/2010" in der Berliner Gemäldegalerie, in der vier Originalen des Dramatikers "des menschlichen Fleisches zwischen Rausch und Ekel, Himmelsekstase und Gosse, Kraft und Hinfälligkeit" eine Fülle von Nachfolgern, Epigonen und Widersachern zur Seite gestellt werden. Bei allen von Felber konzedierten Unterschieden träfen sich diese doch immer wieder darin, dass "sie sich am runzligen Verfall mürben Greisenfleisches delektierten." Ob da Frank Schirrmachers Methusalem-Komplott bereits vorgezeichnet wurde?
Donnerstag, 16. Dezember 2010
lvz kultur vom 16.12.10: Faber, mdr und Google Street View
Michael Faber ist aus dem Kulturbürgermeisteramt gemobbt worden. Exakt 48 Stimmen, zu denen auch die des OBM Jung notwendig gehörte, wurden gegen Faber aufgebracht. Keine einzige hätte fehlen dürfen. Noch hält der Rausch des Erfolgs. Doch der Kater wird in schneller als vier Wochen folgen. Denn eins ist klar. Vorzuwerfen ist Michael Faber einfach mangelnde Stromlinienförmigkeit. Alle Äußerungen zeigen ihn als einen eckigen, manchmal an der Grenze des in 'falscher' Gesellschaft unkommunikativen Charakters, der seinerseits die Fahne des Gesprächs und des offenen Worts hochhält. Ob das schon elitär ist, mögen Berufenere bewerten. Und wenn Faber sich in seinem Amt "Motivation, Zuspruch und ein Umfeld, das ihn unterstützt" gewünscht hätte, weiß er sehr genau, dass dies selbst von mittleren Angestellten als Jammerei erscheint, selbst wenn es wahr ist. Ein Großteil von Fabers Abwählern hat schlicht mit den Wölfen geheult. Dabei wird so getan, als sei ein Bürgermeisteramt "kein Ausbildungsplatz" (Wolfram Leuze). Ausgerechnet OBM Jung, der gerade einen heftigen Sturm im Wasserglas provoziert, hat bereits Lehrgeld zahlen müssen, wohl teurer als Faber. Seine Fehleinschätzung des Stadtwerkeverkaufs hatte viel dramatischere Konsequenzen für die Stadt, als jedes naiv geäußerte Wort Fabers. Der angebliche Vertrauensschwund ist pures Herrschaftsinstrument. Und Leuzes Metaphernkitsch, der zwar nicht so feige wie die pure wölfische Machtlogik der anderen Abwahl-Unterzeichner war, war der Ernsthaftigkeit der Situation dennoch nicht angemessen. Er hat auch nicht verdecken können, dass keine "harten" Fehler passiert sind, sondern ein politischer Grabenkampf mit harten Bandagen ausgetragen wurde, und dass keine belastbaren Vorwürfe gegen Faber im Raum standen, außer dem Platzhirschgetue des Oberbürgermeisters. Mangelnde Konzeptionen für die Eigenbetriebe hat bereits Dr. Girardet ausgezeichnet. Der blieb dennoch unantastbar bis zum Ende.
Das Rennen um die Posten beim mdr geht weiter. Norbert Wehrstedt vermutet, dass den Chefredakteursposten der derzeitige Leiter des Hauptstadtbüros, Tim Herden, erhalten wird. Dirk Thärichen, mdr-Sprecher, bezeichnet den Namen als pure Spekulation. Klar.
Der Verkauf des Bildes "Die Madonna mit dem Heiligen Bruno" (Jusepe di Ribera) von der Klassik Stiftung Weimar an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hat das Theater Altenburg-Gera aus der schlimmsten Notlage geholfen.
Erste Fotos aus Google Street View sind von Jon Rafman für ein Kunstwerk genutzt worden. Für Rafman stellt das Projekt Google Street View, wie Nina May es beschreibt, eine "wahrhaftigere Dokumentation des Lebens" dar. Das "Verlangen des Menschen, Geschichten zu erzählen oder erzählt zu bekommen" läßt in den einzelnen Stills/Fotografien durchaus Freiraum für Kontrolle und Poesie durch den Betrachter. Für Rafman bestimmt das Denken die neue Technologie, nicht Andersherum.
Für Ulrich Khuon wird "Theater immer realitätsnäher", die Politik allerdings "immer theatralischer", wie nicht zuletzt der Afghanistan-Besuch des Verteidigungsministers beweist.
Das Rennen um die Posten beim mdr geht weiter. Norbert Wehrstedt vermutet, dass den Chefredakteursposten der derzeitige Leiter des Hauptstadtbüros, Tim Herden, erhalten wird. Dirk Thärichen, mdr-Sprecher, bezeichnet den Namen als pure Spekulation. Klar.
Der Verkauf des Bildes "Die Madonna mit dem Heiligen Bruno" (Jusepe di Ribera) von der Klassik Stiftung Weimar an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, hat das Theater Altenburg-Gera aus der schlimmsten Notlage geholfen.
Erste Fotos aus Google Street View sind von Jon Rafman für ein Kunstwerk genutzt worden. Für Rafman stellt das Projekt Google Street View, wie Nina May es beschreibt, eine "wahrhaftigere Dokumentation des Lebens" dar. Das "Verlangen des Menschen, Geschichten zu erzählen oder erzählt zu bekommen" läßt in den einzelnen Stills/Fotografien durchaus Freiraum für Kontrolle und Poesie durch den Betrachter. Für Rafman bestimmt das Denken die neue Technologie, nicht Andersherum.
Für Ulrich Khuon wird "Theater immer realitätsnäher", die Politik allerdings "immer theatralischer", wie nicht zuletzt der Afghanistan-Besuch des Verteidigungsministers beweist.
Montag, 6. September 2010
lvz kultur vom 06.09.10: Weissensee, Mendelssohn-Festtage & Paul-Fröhlich-Cup
Vermittelt die neue mdr-Serie "Weissensee" neben Unterhaltung auch ein wenig ostdeutsche Geschichte? In seinem Artikel auf lvz kultur sagt Eric Leimann "ja", Peter Korfmacher sagt im Leitartikel auf Seite 1: "nein". Immerhin: Nach zwanzig Jahren Einheit taucht erstmals, schreibt Leimann, der DDR-Alltag in einem Serienformat zur besten Sendezeit der ARD auf. Ist die Leiche also endlich genügend abgehangen? Das Trommelfeuer der öffentlich-rechtlichen 20.15 Uhr-Fernsehunterhaltung zeigt tatsächlich Wirkung. Wie eine heiße Kartoffel wird behandelt, in welcher Form DDR-Alltag einem Hansi-Hinterseer-gestählten Westzuschauer zumutbar ist, und einen älteren Ostzuschauer nicht vielleicht in unkontrollierte hysterische oder depressive Verstimmungen treibt. Ob "Weissensee" wirklich "verdichtete DDR-Geschichte, erzählt mit den Mittel eines Familiendramas" sein wird oder doch eher einem konfliktscheuen Unterhaltungsbedürfnis angepasst wurde, spielt im Grunde keine Rolle. Dass die Öffentlich-Rechtlichen ebenso wie die privatrechtlichen Medien, an dem künstlichen Antagonismus hie Unterhaltung, dort politische Bildung festhalten, ist der eigentliche Skandal. Warum soll ein Film, eine Serie nicht beides leisten können? Von lvz Kulturchef Peter Korfmacher hätte man diese Einstellung sicher nicht erwartet. Die schwarz-weiß-Sicht mag vielleicht für interessegeleitete Provokateure (á la BILD und Sarrazin) oder Opportunisten (z.B. politische Gruppierungen) naheliegend sein. Für Journalisten eher nicht. Aber auch pk tritt leider in diese Populismusfalle, selbst wenn er zum scheinbar entgegengesetzten Ergebnis kommt. Seine suggestiven entweder-oder-Gegensätze (z.B. "Denn mit kuscheliger Damals-war-auch-vieles-schön-Folklore ist natürlich drüben ebenso wenig Quote zu machen wie mit unhinterfragter Unterdrückungslyrik hüben") verhindern eher einen genaueren Blick auf die Möglichkeiten der Sender, aber auch auf die Realität. Dass er einen Begriff wie "Unterdrückungs-Lyrik" - als sei die Frage von Unterdrückung in der DDR eine Frage von privaten Empfindsamkeiten, oder einer kleinen, etwas spleenigen Randgruppe - postuliert (und andere Biografien damit zur Marginalie degradiert), und diesen mit dem Wort "unhinterfragt" verbindet, als ob nur noch Hardliner und Fundamentalisten dieses Thema behandeln, grenzt übrigens für einen intelligenten, differenzierten Menschen an Selbstverleugnung.
Das schon vor einigen Tagen als wahrhaft innovativ angekündigte "Konzert für Neugierige" des Mendelssohn Kammerorchesters hat nun im Gewandhaus stattgefunden. Laut Tobias Wolff "bleibt es allerdings fraglich, ob dieses Werk ('passion 13') wirklich dazu geeignet ist, Neugierige und vielleicht sogar Kinder an zeitgenössische Musik heranzuführen". Obwohl Kinder - zumindest eine Konzert-Halbzeit lang - das Konzert hätten miterleben sollen, haben die Eltern allein von dem Angebot Gebrauch gemacht, ihre lieben Kleinen von Beginn an "an der Garderobe" abzugeben. Selbstverständlich mit pädagogischem Begleitservice. Und vorzeigbaren Bildern der Kinder als Ergebnis. Trotzdem: Auch ohne den Hype ein sinnvolles Angebot. Und das Konzert mit der fantastischen Gesangssolistin Salomé Kammer soll ja auch, zumindest "in weiten Teilen", "toll" gewesen sein.
Glaubt man Caroline Baetge, dann ist der 2. Paul-Fröhlich-Cup (vormals naTo-Cup)mindestens dem lvz szene Redakteur Mathias Wöbking auf den Magen geschlagen. Zum einen, weil er einen scharf geschossenen Ball auf seinem Weg ins Tor nur mittels seines Verdauungsorgans aufhalten konnte, aber auch, weil die lvz zum ersten Mal seit ever auf ihrem Weg ins Finale bereits in der Gruppenphase ausgeschieden ist, wenn auch punktemäßig noch vor dem Kreuzer liegend. Dass er selbst - wie die anderen Teilnehmer auch - schnöde als Leipziger D-Promi kategorisiert wurde, wird er - spätestens nach einem Schluck Magenbitter - eher leicht verwunden haben. Der legendäre Cup, der mit seinen eigenwilligen Regeln eher dem Spaß und der "Schönheit in Bewegung" gewidmet ist als dem Bierernst, habe allerdings neben einem gedellten Magen auch einen Knochenbruch, Prellungen, Schrammen und Beulen bei anwesenden Mannschaften erzeugt. Ob das nur am Pech oder Unvermögen lag, oder doch an der überehrgeizigen Einstellung mancher Mannschaft, lässt die Schreiberin offen. Sensationell muss in dieser Frage der Auftritt des Teams "Morgens halb zehn in Deutschland" gewesen sein, das frisch aus der Dusche kommend, Bademäntel und Duschhauben noch nicht abgelegt, nur für einen kurzen Aufgallopp den Rasen der Festwiese beackerten. Nach dem Frühsport "legen wir uns aber wieder hin", bestätigte ihr Mitspieler Sven, und demonstrierte, dass er nicht zur verbissenen Spezies des Tages zählte, außer dem der Bettlägerigen. Glückwunsch! Auch an den Sieger, den Jugendfreizeitverein aus Mecklenburg!
Das schon vor einigen Tagen als wahrhaft innovativ angekündigte "Konzert für Neugierige" des Mendelssohn Kammerorchesters hat nun im Gewandhaus stattgefunden. Laut Tobias Wolff "bleibt es allerdings fraglich, ob dieses Werk ('passion 13') wirklich dazu geeignet ist, Neugierige und vielleicht sogar Kinder an zeitgenössische Musik heranzuführen". Obwohl Kinder - zumindest eine Konzert-Halbzeit lang - das Konzert hätten miterleben sollen, haben die Eltern allein von dem Angebot Gebrauch gemacht, ihre lieben Kleinen von Beginn an "an der Garderobe" abzugeben. Selbstverständlich mit pädagogischem Begleitservice. Und vorzeigbaren Bildern der Kinder als Ergebnis. Trotzdem: Auch ohne den Hype ein sinnvolles Angebot. Und das Konzert mit der fantastischen Gesangssolistin Salomé Kammer soll ja auch, zumindest "in weiten Teilen", "toll" gewesen sein.
Glaubt man Caroline Baetge, dann ist der 2. Paul-Fröhlich-Cup (vormals naTo-Cup)mindestens dem lvz szene Redakteur Mathias Wöbking auf den Magen geschlagen. Zum einen, weil er einen scharf geschossenen Ball auf seinem Weg ins Tor nur mittels seines Verdauungsorgans aufhalten konnte, aber auch, weil die lvz zum ersten Mal seit ever auf ihrem Weg ins Finale bereits in der Gruppenphase ausgeschieden ist, wenn auch punktemäßig noch vor dem Kreuzer liegend. Dass er selbst - wie die anderen Teilnehmer auch - schnöde als Leipziger D-Promi kategorisiert wurde, wird er - spätestens nach einem Schluck Magenbitter - eher leicht verwunden haben. Der legendäre Cup, der mit seinen eigenwilligen Regeln eher dem Spaß und der "Schönheit in Bewegung" gewidmet ist als dem Bierernst, habe allerdings neben einem gedellten Magen auch einen Knochenbruch, Prellungen, Schrammen und Beulen bei anwesenden Mannschaften erzeugt. Ob das nur am Pech oder Unvermögen lag, oder doch an der überehrgeizigen Einstellung mancher Mannschaft, lässt die Schreiberin offen. Sensationell muss in dieser Frage der Auftritt des Teams "Morgens halb zehn in Deutschland" gewesen sein, das frisch aus der Dusche kommend, Bademäntel und Duschhauben noch nicht abgelegt, nur für einen kurzen Aufgallopp den Rasen der Festwiese beackerten. Nach dem Frühsport "legen wir uns aber wieder hin", bestätigte ihr Mitspieler Sven, und demonstrierte, dass er nicht zur verbissenen Spezies des Tages zählte, außer dem der Bettlägerigen. Glückwunsch! Auch an den Sieger, den Jugendfreizeitverein aus Mecklenburg!
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